www.Morr-Siedelsbrunn.de
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Zum Gedenken an Hans Morr

Raubschloß bei Weinheim

Bei dem im Volksmund genannten "Raubschloß" handelt es sich um eine abgegangene, frühmittelalterliche Kleinburg.

Lage:

Die unscheinbare Reste der Kleinburg liegen auf einem bewaldeten, nach drei Seiten steil abfallenden Bergkegel zwischen Weinheim und Gorxheimertal. Das Burgareal überhöht die Talaue um 108 Meter. Von der Burg aus hatte man- bei damals wohl unbewaldeten Berghängen- freie Sicht auf die Zufuße der Anlage liegende und in Ost- / Westrichtung verlaufende Talaue des Grundelbachs. Heute befinden sich im Tal u.a. das Freibad Weinheim, die Bäckereifachschule und das Gelände des Reit- und Fahrvereins.

 

Koordinaten:

N49° 32.323' E8° 41.692'

Roter Punt = Lage der Kleinburg
Ansicht vom Grundelbnachtal aus: Auf dem Hügel, unter den Bäumen befinden sich die Reste des Raubschloßes

Geschichte

Leider ist von der kleinen Anlage nichts genaues bekannt. Rainer Kunze rechnet sie zum Besitz der Swende von Weinheim oder der Sporo von Weinheim.

Zugang

Der heutige- und wohl auch damalige Zugang- erfolgt von Süden her. Über eine spornartigen Geländeausläufer erreicht man die Burgstelle. Die Spitze des Burghügels überhöht den Zugang um ca. 10 Meter. 

Zugang zur Burg aus südlicher Eichtung
In der Bildmitte erkennt man den Turmhügel, davor der als Wall angehäufte Aushub des dahinter liegenden Grabens

Anlagenbeschreibung

Um den kegeligen Hügel wurde etwa 10 Meter unterhalb seiner höchsten Erhebung ein den Hügel an seinen Steilseiten umlaufender, ca. 2 Meter breiter Weg angelegt. An der zum Geländesporn flachen Zugangsseite hatten die Burgbesitzer den Weg als Graben ausgeführt. Der Grabenaushub wurde dort zur Aussenseite hin als Wall angeschüttet. Hier lag auch sicherlich der mit einen hölzernen Torbau geschützte Zugang.

Links im Bild die Zugangsseite mit dem Wall, Bildmitte der Graben, rechts der Fuß des Burghügels

Dem rund um die Anlage laufenden Weg war wohl eine hölzerne Palisade vorgebaut, welche Feinden den Zugang zu der Kleinburg versperrte. Ein gewollter Nebeneffekt der umlaufenden Palisade bestand bestimmt darin, dass Vieh und ev. auch Pferde das eingefriedete Areal nicht unkontrolliert verlassen konnten. Ob die Palisade einen Wehrgang trug lässt sich nicht ermitteln. Dieser wäre an der angriffsempfindlichen Zugangsseite jedenfalls denkbar. Auf Flächen des Weges dürften auch kleinere Fachwerkgebäude gestanden haben (Ställe / Schuppen etc), da der kleine Burghügel sonst nur Platz für einen Holzturm bot.

Der Burghügel mit dem ihn umgebenden Weg

Westlich und etwa 2 Meter unterhalb der Hügelkuppe befindet sich ein kleines Plateau, welches künstlich angelegt wurde. Es dürfte mit einem Fachwerkgebäude bestanden gewesen sein. 

In der Bildmitte, unterbalb der Hügelspitze das zungenförmige Plateau
Der Burghügel vom einstigen Zugang aus gesehen

Auf der im Durchmesser 15 Meter messenden Spitze des kegeligen Burghügels dürfte sich wahrscheinlich ein Holzturm mit Verteidigungsgalerie befunden haben, welcher auch als Wohnstätte diente. Heute noch sichtbar ist eine dort eingetiefte Grube, welche vom Turm überbaut gewwesen sein dürfte und als Keller und / oder als Zisterne für Niederschlagswasser Verwendung fand.

Bild vom Burghügel auf die im der Bildmitte rechts befindliche "Kellergrube", dahinter der vom Eingang der Kleinburg wegführende Geländesporn
Freier Nord-Süd Schnitt durch die Anlage

Anlagenzweck

In Ermangelung schriftlicher Zeugnisse kann über den ursprünglichen Zweck der Anlage nur spekuliert werden. Zumal auf dem Areal bis dato auch keine wissenschaftlichen Untersuchungen statt gefunden haben.

 

Der neuzeitliche Name "Raubschloß" läßt auf die Nutzung als Rückzugsareal für eine kleine Gruppe räuberisch tätiger Männer schließen. Das zu Füßen der Anlage liegende Gerberbachtal war jedenfalls gut einzusehen. Den Talgrund entlang ziehende Händler wären Opfer der Räuber geworden. Allerdings wird sich das Gros der Krämer eher die Bergstraße entlang bewegt haben.

 

Eine weitere, denkbare Zweckbestimmung wäre die zeitweise Belegung der Anlage im Gefahrenfall von einer in unmittelbarer Nähe (im Talgrund) lebende Sippe. Beispielsweise beim Einfallen von marodierenden Horden. Eine Sippe wäre sicherlich auch in der Lage gewesen, die Anlage baulich zu errichten.

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© Hans-Günther und Jürgen Morr