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Zum Gedenken an Hans Morr

V3-Stellung Lampaden

Vielen Personen ist die erste flugfähige Rakete mit Flüssigantrieb, das Aggregat 4, bekannt. Geplant und gebaut zur Zeit der Nationalsozialisten unter Regie von Wernher von Braun nannten sie die damaligen Machthaber Vergeltungswaffe 2, kurz  V2.

Weit weniger kennen deren Vorgänger, die Vergeltungswaffe V1. Diese Langstreckenflugbombe Fieseler 103 war wiederum Vorgänger der amerikanischen Cruise Missile.

Bild 1: V3-Stellung Lampaden, Übersicht

Legende zum Bild oben:

1 = Position des V3-Geschützrohrs

2 = Ehem. Bergbaustollen in welchen die Munition gelagert wurde

3 = Ehem. Bahnhof Lampaden, heute Parkplatz

4 = Ehem. Bahnlinie Hermeskeil-Ruwer, heute Hochwald-Radweg

5 = Betriebsweg

Den wenigsten ist aber die Vergeltungswaffe 3, Kurzname V3 bekannt. Die V3 war eine Langrohrkanone, welche es der Wehrmacht während den 2. Weltkriegs ermöglichen sollte vom besetzten Frankreich aus die für normale Infantriegeschütze unerreichbare englische Hauptstadt London mit Artilleriegranaten zu beschießen. In Fachkreisen wurde sie wegen ihrer eigentümlichen Beschaffenheit mit Tarnnamen wie Hochdruckpumpe, Fleißiges Lieschen oder Tausendfüssler benannt.

Bild 2: V3 Langrohrkanone, gut sichtbar die seitlichen Treibladungskammern (Bild Bundesarchiv)

Lage

Die ehemalige V3-Stellung befindet sich im Ruwertal an einem nach Westen ansteigenden Berghang ca. 1,3 km südöstlich von Lampaden. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Burg Heider Mühle.

Vor Ort gibt es keine Hinweise zu der ehemaligen Anlage.

Koordinaten N49° 38.316 E6° 42.990.

Die Stellung kann frei begangen werde.

Bild 3: Standort des ehemaligen Bahnhofs Lampaden. Am rechten Bildrand verlief die Bahnlinie, heute Hochwald Radweg. Über den Bahnhof erfolgte der V3 Transport

Geschichte der V1

Der nachfolgende Artikel wurde von Michael Buschlinger & Dirk Budian geschrieben

1942 forschte der Ingenieur August Coenders, Oberingenieur der Fa. Röchling, an der schon aus dem 19. Jahrhundert stammenden Idee einer Mehrkammerkanone. Bei dem Prinzip der Mehrkammerkanone werden an ein Kanonenrohr seitliche Treibladungskammern angeflanscht, deren Treibladungen nachdem das Geschoss an ihnen vorbei gekommen ist, detonieren und dieses auf immer höhere Geschwindigkeiten bringen.

 

Coenders entwickelte 1942 eine Mehrkammerkanone mit der Tarnbezeichnung "Hochdruckpumpe". Die Soldaten nannten sie aufgrund ihrer für eine Kanone ungewöhnlichen Form "Tausendfüssler" oder "Fleißiges Lieschen". Im Sprachgebrauch der Nazis wurde sie in der Reihe der Vergeltungswaffen als dritte einsatzfähige Waffe, V3 genannt. Hersteller der Rohrteilstücke für die Geschütze war die Firma Röchling Stahlwerke Völklingen, Fertigungswerk Wetzlar. Die pfeilförmigen, zwei Meter langen Granaten (Kaliber 15 cm) mit der Bezeichnung Rö Be 42 wurden ebenfalls von Röchling entwickelt.

Hitler lies sich ein verkleinertes Modell der Waffe vorführen und plante, die Stadt London von der Kanalküste bei Mimoyecques (Frankreich) aus mit mehreren HDP anzugreifen. Die effektive Kampfentfernung der 130m langen Kanonen sollte 160 km betragen. Auf dem Versuchsgelände in Misdroy an der Ostsee wurden im Januar 1944 bis zu 140 km Schussentfernung gemessen.

Nachdem im September 1944 die Alliierten die Kanalküste bei Mimoyecques eroberten, musste der Plan, London mit bis zu 50 HDP aus Artilleriebunkern zu beschießen, aufgegeben werden. SS-Gruppenführer Kammler, dem die Verbände der Vergeltungswaffen unterstanden, wollte unbedingt die Fronttauglichkeit der V3 beweisen und holte sich bei Hitler die Erlaubnis, die HDP während der Ardennenoffensive gegen die Stadt Luxemburg einzusetzen.

Bild 4: Bild vom Fuß der Stellung den Hang hinauf, die Ebenung für die Kanone ist auch heute noch gut zu erkennen
Bild 5: Der Pfeil zeigt auf die Stelle, an der sich der Verschluß der Kanone befand

Zu diesem Zweck brachte man im Ruwertal bei Hermeskeil-Lampaden zwei verkürzte Versionen der HDP mit der Bezeichnung LRK 15 F 58 (Langrohrkanone) in Stellung. Den Einsatz übernahm die 1. Batterie der Heeres-Artillerie-Abteilung 705. Die Aufstellung der ersten Kanone dauerte vom 28.11.44 bis zum 23.12.44, die der zweiten benötigte etwas mehr Zeit. Man errichtete zwei Geschütze auf Stahlkonstruktionen, die auf einer hölzernen Unterkonstruktion lagerten. Die hölzerne Unterkonstruktion wurde halb in den Hang eingegraben. Die Rohrerhöhung betrug 34 Grad. Diese verkürzte Version der Hochdruckpumpe war nicht mehr als 50 m lang und mit zwölf rechtwinklig angeordneten Seitenkammern ausgestattet. Die Kanonen hatten eine Reichweite von bis zu 60 km mit einer Streuung von bis zu 4 km.

Desweiteren errichteten die Baueinheiten drei Betonbunker für Personal und Munition. Ein nahegelegener Bergwerksstollen wurde vermutlich auch für die Lagerung von Material oder Munition genutzt. Aufgrund der alliierten Lufthoheit tarnte man die Feuerstellung an dem bewaldeten Hang sehr sorgfältig, sodass sie von den feindlichen Jagdbombern nicht erkannt werden konnte. Der Eisenbahnnachschub musste deshalb auch nachts herangeführt werden. In der Nähe der Feuerstellung liegt der ehem. Bahnhof Lampaden (Bahn-km 24.0) der Strecke Hermeskeil-Trier, über den der Nachschub der Einheit zugeführt wurde.

Bild 6: Unter der Mündung des Kanonenrohrs wurde eine kalottenförmige Vertiefung in den Erdboden eingebracht (gelber Kreis) um ein Aufwirbeln der Erde bei Austritt der Explosionsgase aus dem Kanonenrohr zu vermeiden

Die Ardennenoffensive begann am 16.12.44, durch die Nachschubprobleme der aus Nürnberg-Feucht angelieferten Munition, konnte jedoch erst gegen Ende Dezember mit dem Einsatz der V3 begonnen werden.Die erste Kanone eröffnete am 30.12.44 das Feuer, die zweite am 03.01.45.
Am 15. Februar befahl SS-Gruppenführer Kammler die Demontage von einer der beiden LRK . Die verbleibende Kanone war noch bis Ende Februar im Einsatz. Insgesamt verschoss man 183 Stück der 155mm-Sprengranaten Typ 4481 mit einem Gewicht von je 97 kg mit einer Durchschnittsfeuergeschwindigkeit von 3 Schuss pro Tag auf die 43 km entfernte Stadt. Durch die Beschießung wurden insgesamt 10 Menschen getötet und 32 verletzt. Gegen Ende Februar waren die amerikanische Panzerspitzen nach einem schnellen Vorstoß nur noch 3 km von der Feuerstellung entfernt. In fieberhafter Eile wurde die Feuerstellung geräumt und der Transport der letzten Kanone auf die rechte Rheinseite durchgeführt. Die Teile der HDP transportierte man per Bahn wieder zurück nach Wetzlar auf das Gelände der Herstellerfirma Röchling, von wo sie nach dem Einmarsch der Amerikaner mit unbekanntem Ziel abtransportiert wurden.

Bild 7: Links neben des Betriebswegs befinden sich ehemalige Bergwerksstollen in welchen Material und Munition gelagert wurde
Bild 8: Ein weiterer Stolleneingang
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© Hans-Günther und Jürgen Morr