www.Morr-Siedelsbrunn.de
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Zum Gedenken an Hans Morr

Die Untertageverlagerungen A8 "Goldfisch" und A8b "Brasse" bei Obrigheim / Neckar

Untertageverlagerung "Goldfisch" A8 (links) und "Brasse" A8b mit eingezeichnetem Lehrpfad (blau gsestrichelt)

 

Hintergrund

Die Daimler-Benz Motoren GmbH fertigte seit 1941 in ihrem Flugzeugmotorenwerk in Genshagen die 1500 PS starken Zwölfzylinder-Flugzeugmotoren „DB 603“ und „DB 605“. Anfang 1944, als die Luftangriffe auf Genshagen häufiger wurden, beschloss der Jägerstab (genannt nach dem Militärflugzeugtyp) – eine Koordinationsstelle aus SS, Luftwaffe und Rüstungsministerium und Rüstungsbetrieben – die Produktion in unterirdische Stollen zu verlegen. Die Gipsgruben „Friede“ und „Ernst“ im badischen Obrigheim boten sich nach einer Erkundung im Februar 1944 hierfür an, da sie in Süddeutschland vermeintlich sicher vor gegnerischen Bomben waren, in einem Seitental des Neckaruferhanges, der Luttenbachschlucht bzw. im Karlsberg, versteckt im Wald lagen, aber dennoch über die – heute nicht mehr bestehende – Neckarbrücke der Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz zwischen Neckarelz und Obrigheim bereits gut an den Verkehr angebunden waren (von Mannheim an die Neckartalbahn bzw. die Strecke Würzburg–Stuttgart).

Daimler Benz 12-Zylinder Flugmotor DB 605 wie er auch im Messerschmitt Jagdflugzeug Me 109 verbaut war.

Die vorhandenen Stollen der Gipsgruben erhielten die Tarnnamen Goldfisch (Friede) und Brasse (Ernst). Am 7. März ging an den Stuttgarter Architekten Kiemle von Daimler-Benz und der SS der Planungsauftrag für eine 50.000 m² große unterirdische Produktionsfläche im Goldfisch, die binnen sieben Wochen errichtet werden sollte. Etwas später wurde im benachbarten Stollen Brasse zusätzlich eine 9.000 m² große Produktionsstätte für die DB-Fertigung Sindelfingen geplant, die jedoch nach schweren Luftangriffen im Februar und März 1945 nicht fertiggestellt werden konnte. In das Handelsregister von Mosbach wurde eine Goldfisch GmbH eingetragen, die in kürzester Zeit zum größten „Arbeitgeber“ der Region wurde.

 

 

Errichtung 

Am 15. März 1944 wurden 500 Häftlinge des KZ Dachau in der Schule von Neckarelz einquartiert. Das dortige Schulgebäude wurde zur Außenstelle Neckarelz I des KZ Natzweiler. Dort wurden fünf Klassenzimmer zu Schlafräumen für die etwa 800 Häftlinge umfunktioniert. Durch den Schichtbetrieb in der Fabrikanlage waren immer nur die Hälfte der Häftlinge in den Räumen. Der Schulhof war nun Appellplatz. Darum wurden Stacheldrahtverhau und Wachtürme errichtet. Noch 1944 wurden zusätzlich in dem Bereich Baracken gebaut und eine Duschanlage für das ebenfalls vergrößerte Wachpersonal. Hinter diesen Baracken gab es für den Lagerkommandanten einen Garten.

Den Weg von Neckarelz zu den Stollen in Obrigheim mussten die Häftlinge täglich zu Fuß über die damals bestehende Eisenbahnbrücke zurücklegen. Die Aufgabe der ersten Häftlinge war es, die Zufahrtswege zu den Stollen auszubauen und den weiträumigen Tunnelboden zu befestigen und zu ebnen, Stromleitungen zu verlegen, um dort schnellstmöglich Maschinen betreiben zu können. Das benötigte Baumaterial (die Firma Hochtief, die die Arbeiten organisierte, rechnete mit circa 750 Tonnen Eisen und 3200 Tonnen Zement) musste auf dem Rücken über 40 Höhenmeter eine schmale Treppe hinauf transportiert werden. Außerdem mussten die Häftlinge in der Umgebung mehrere Barackenlager zur Unterbringung von weiteren Zwangsarbeitern errichten. Im Mai 1944 wurden 500 bis 700 Häftlinge aus dem KZ Oranienburg nach Neckarelz gebracht.

In den darauffolgenden Monaten wurden zusätzlich vier kleinere Nebenlager des Konzentrationslagers in Oberschefflenz, Bad Rappenau und Neckarbischofsheim eingerichtet. Im Sommer 1944 kam es zu Typhus- und Ruhr-Epidemien. Darauf wurde im Herbst 1944 der KZ-Teil in Neckargerach als "Krankenlager" eingerichtet. Ein Krankenlager bedeutete im SS-Jargon nicht eine ärztliche Heilbehandlung sondern verminderte Essensrationen - denn die SS hielt einen Arbeitseinsatz dieser Häftlinge nicht mehr für möglich; andere Bezeichnungen waren Sterbe- und Seuchenlager (vergleiche KZ-Außenlager Vaihingen (auch … Wiesengrund) und Krankenlager Großsachsenheim).

Unter unmenschlichen Bedingungen und strengem Termindruck wurden die Stollen ausgebaut, wobei weitere Verbindungs- und Belüftungsstollen zu graben waren. Außerhalb der Stollen entstand der Heizbunker Kesselhaus, ein starker Bunker-Vorbau am Stollen Goldfisch mit Flak-Geschütz, diverse Küchen- und Unterkunftsbaracken am Eingang zur Brasse. Für die Versorgung der Stollen wurde parallel zur Bahnstrecke am Hang entlang der nicht-öffentliche Haltepunkt „Finkenhof“ und ein Ladegleis erbaut, das sich teilweise geschützt im zweigleisig ausgelegten, aber bisher nur eingleisig genutzten 147 m langen Kalksbergtunnel befand. Der Gleisabschnitt zwischen Neckarelz und Obrigheim und einiges umgebendes Gelände wurde zum Sperrgebiet erklärt, so dass in den durchfahrenden Zügen das Öffnen der Fenster nicht gestattet war. Ein- und Ausfahrt auf den umliegenden Straßen wurden durch Wachen kontrolliert.

 

Ehem. U-Verlagerung Goldfisch, 1944 abgemauerte Fertigungsbereiche

 

Zwangsarbeiter- und weitere Lager

Zusätzliche Lager in Mosbach (das Hammerlager in Mosbach für SS-Strafgefangene) und Neckarelz (Neckarelz II, alter Bahnhof) wurden im Zusammenhang mit der Industrieanlage Goldfisch in Betrieb genommen. Für Zwangsarbeiter/-innen wurden errichtet: das Lager Hohl in Neckarelz für 1.100 Ostarbeiter/-innen, ein Lager in Obrigheim für „Westeuropäische Fremdarbeiter“, das Lager in der Turnhalle in Mosbach für italienische Militärinternierte (IMI) und für weitere Gefangene die kleineren Lager Bahnhof Hassbachtal und Bahnhof Asbach (Baden). Bis Juni 1944 kamen 2.000 Bauhäftlinge in den Lagern Neckargerach und Neckarelz – Alter Bahnhof (Neckarelz II) unter.

In unmittelbarer Umgebung befanden sich noch weitere unterirdisch ausgelagerte Rüstungs-Produktionsanlagen, in denen KZ-Häftlinge und andere nebeneinander Zwangsarbeit verrichteten, so z.B. im 690 m langen Mörtelsteiner Tunnel der Bahnlinie zwischen den heutigen Obrigheimer Ortsteilen Asbach und Mörtelstein (Tarnname Kormoran), in einer Grube in Haßmersheim-Hochhausen (Tarnname Rotzunge) sowie im Gipsstollen in Neckarzimmern (Tarnname Baubetrieb Neustadt). Ein Arbeitskommando war auch in der Gurkenfabrik in Diedesheim eingesetzt. Ein im September 1944 von Neckarelzer Häftlingen in Neckarbischofsheim errichtetes Auffanglager für etwa 150 Häftlinge des bereits von den Alliierten erreichten KZ Natzweiler wurde dem Lager in Neckarelz als Unterkommando angegliedert, ebenso Kommandos in Asbach/Bd., Neckargerach, Bad Rappenau und in der Heeresmunitionsanstalt in Siegelsbach.

 

Ehem. U-Verlagerung Goldfisch, hier werden die gewaltigen Dimensionen der Anlage deutlich

 

Betrieb

Bereits am 26. Juni 1944 wurden die ersten 21 Maschinen aus Genshagen antransportiert. Im Juli 1944 befanden sich circa 1.400 Häftlinge und 400 Mann Arbeiter beziehungsweise Wachpersonal in Neckarelz und Obrigheim. Da der Ausbau der Stollen schwieriger war als geplant, konnte die Produktion nur schleppend anlaufen, so dass erst im Oktober 1944 die ersten Flugzeugmotoren ausgeliefert wurden. Die Planungen sahen monatlich 500 Motor-Neubauten und 350 -Instandsetzungen vor, diese Zahlen wurden allerdings nie erreicht.

Mit einer Belegschaft von 2.500 Personen war das Lager in Neckarelz zum größten der Außenkommandos von Natzweiler geworden, die Häftlinge waren in insgesamt sieben so genannten Neckarlagern untergebracht. Die offizielle Lagerstärke betrug dreitausend Plätze. Die genaue Zahl konnte nach dem Krieg aber nicht rekonstruiert werden. Es gab ständig Wechsel zwischen den Lagerteilen und Zu- und Abgänge. Das Schicksal der meisten Häftlinge blieb unbekannt. Nur wenige werden von Anfang bis Ende des Lagers vor Ort gewesen sein. Insgesamt waren etwa 10.000 Gefangene in einem der zum Neckarelzer Lager gehörigen Kommandos, wenn auch nicht alle zur selben Zeit, da die Häftlinge je nach Bedarf zwischen den Kommandos verschoben und nicht mehr arbeitsfähige Menschen „selektiert“ wurden. 

 

In und um die Untertageverlagerung waren zum Jahreswechsel 1944/45 etwa 10.000 Personen im Schichtbetrieb beschäftigt. Wovon etwa 4.000 Deutsche waren. Die Versorgungs- und Unterkunftssituation in der damals struckturschwachen Region war durchweg problematisch und mangelhaft. Die aus Genshagen verlagerten Arbeiter müssen die Bedingungen vor Ort als deprimierend empfunden haben. Sie hatten in Genshagen in einem hellen, modernen Werk mit damals allen Annehmlichkeiten wie Sozialräume und Kantine gearbeitet und mußten nun in einer schlecht beleuchteten, feuchten und zugigen Grube unter provisorischen Bedingungen ihen Akkord erfüllen.  

 

Goldfisch, im Inneren der ehem. U-Verlagerung

 

Unfälle

Der schwerste dokumentierte Unfall ereignete sich am 3. September 1944. Im Stollen M löste sich zwischen den Gängen 11 und 12 die gesamte Halledecke und begrub die darunten befindlichen Personen und Maschinen. Mindestens 20 Arbeiter wurden von ca. 200 Kubikmeter Deckengestein verschüttet. Nur zwei konnten schwer verletzt aber lebend geborgen werden. Es handelte sich um einen Franzosen und einen Deutschen. Unter den Toten befanden sich 4 Deutsche, 4 italienische Militärinternierte und 3 französische Arbeiter. Weitere 9 KZ-Häftlinge konnten namentlich nicht identifiziert werden. Für die Verantwortlichen war der Verlust der Bearbeitungsmaschinen wahrscheinlich schwerwiegender als der Tod der Arbeiter. Es handelte sich z.T. um schwer zu ersetzende Kegelrad-Hobelmaschinen.

Als Grund für das Lösen des Deckengesteins gab die Bergbaubehörde nach einer Untersuchung die sich verändernden klimatschen Bedingungen durch die Nutzung in den Stollen an.

Das Herabfallen von kleineren Steinen trat in geringerem Umfang immer wieder auf. Jedoch sind hierdurch keine weiteren Todesfälle dokumentiert. Wohl auch deshalb, weil fortan ein höheres Augenmerk auf den Sachverhalt gerichtet wurde und man vorsorglich bestimmte Deckenteile räumte.

 

Mindestens ein Teil (3 ?) der Verschütteten wurde nicht geborgen. Der Bereich wurde nach dem Krieg abgemauert und ist somit nicht zugänglich.

 

Da bei der U-Verlagerung die schnelle Inbetriebnahme der Produktion im Vordergrund stand und man den Terminen immer hinterher hinkte, war Arbeitsschutz ganz hinten angestellt. Entsprechend hoch dürfte die Unfallquote gewesen sein.

 

Verlustliste der Bearbeitungsmaschinen

 

Schloss in Binau

Aufgrund der harten Arbeits- und Lebensbedingungen waren während des Betriebs der Anlagen zahlreiche Tote zu beklagen, unter anderem beim teilweisen Einsturz eines der Stollen im September 1944 mit über 20 Toten und bei einer Typhus-Epidemie im Herbst 1944. Nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge wurden nach Natzweiler, Dachau oder Vaihingen deportiert. Allein bis Oktober 1944 waren dies bei drei Transporten mindestens 750 Personen.

Das Rathaus in Guttenbach und das Schloss in Binau, wenige Kilometer flussabwärts, waren Sitz der SS-Kommandantur der gesamten Außenlager des KZ Natzweiler in der Region. In Guttenbach (vis a vis über dem Neckar von Neckargerach aus) wurde versucht, die Verwaltung des aufgelösten KZ Natzweiler wieder aufzubauen. Anfang März 1945 zog diese Gesamtkommandantur von Natzweiler weiter nach Stuttgart und schließlich nach Dürmentingen.

Ein benachbarter, aber separater Produktionsstollen und Lager mit ähnlicher Funktion war das KZ Kochendorf in Bad Friedrichshall. Ebenfalls separat gab es eine zusätzliche Munitionsfabrik in Neckarzimmern.

 

Schloss Binau

 

Luftangriffe

Im Unterschied zu anderen Konzentrationslagern kam es 1944/45 zu verschiedenen Luftangriffen auf die Neckarlager. Deren Systematik und Erfolge sind anscheinend bisher nicht erforscht worden. Dies gilt insbesondere auch für den allierten Luftangriff auf Neckargerach am 22. März 1945 mit über 200 Toten. Auch im Wald über den Stollenanlagen finden sich heute noch Trichter von Bombenexplosionen.

Bombentrichter im Wald über der U-Verlagerung

 

Todesmarsch und Befreiung

Der Betrieb der unterirdischen Produktion endete am 23. März 1945.[5] Am 28. März wurden wegen des Vorrückens amerikanischer Truppen in den Neckarraum die zu diesem Zeitpunkt dort befindlichen 4.000 gehfähigen Häftlinge der Außenlager Heppenheim, Bensheim und Neckarelz über Neuenstadt und Kupferzell zum Bahnhof in Waldenburg in Marsch gesetzt. Der Marsch sollte als „Todesmarsch“ traurige Bekanntheit erlangen, da circa 600 Häftlinge die Strapazen nicht überlebten. Von Waldenburg aus erfolgte gruppenweise der Bahntransport nach Dachau, eine Gruppe von 400 Häftlingen musste den gesamten Weg bis Dachau bei München zu Fuß bewältigen. Knapp 900 nicht mehr gehfähige Häftlinge aus Neckarelz sollten per Zug nach Dachau verbracht werden, blieben aber wegen zerstörter Bahngleise mit dem Zug bereits im 30 km entfernten Osterburken liegen, wo bis zum Eintreffen der amerikanischen Truppen über 40 weitere Tote zu beklagen waren. Eine Gruppe weiblicher Gefangener, die ab Neckargerach dem Bahntransport angehörten, sind allem Anschein nach durch Verbrennen der Waggons getötet worden. Über 800 Gefangene konnten am 3. April von amerikanischen Truppen aus dem Zug befreit werden.

In Obrigheim sprengten unterdessen die nach Osten abrückenden deutschen Truppen am 30. März 1945 die Neckarelzer Eisenbahnbrücke, um den Alliierten ein Überschreiten des Neckars an dieser Stelle unmöglich zu machen. Auch Stollenzugänge wurden noch kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner gesprengt. Am 2. April 1945 wurden die Stollen von amerikanischen Truppen besetzt und noch einige wenige bei den unterirdischen Produktionsanlagen zurückgebliebene Häftlinge befreit.

 

Verschütteter Ausgang des neuen Luttenbachstollens

Demontage und Abwicklung

Die Stollen blieben zunächst für einige Zeit von Amerikanern besetzt. Erst Mitte Mai 1945 erlaubte man Betriebsangehörigen wieder kurzfristig den Zugang, um Wasser abzusaugen, das sich in den Stollen angesammelt und Schäden an den Maschinen verursacht hatte. Am 25. Mai 1945 wurden 2091 Drehbänke, Fräs-, Bohr- und Hobelmaschinen registriert. Bis August 1945 war der Zugang nur Angehörigen amerikanischer Dienststellen möglich. In jener Zeit wurden zahlreiche Maschinen demoliert oder gestohlen. Ende September 1945 wurde die Goldfisch GmbH als Demontagebetrieb eingestuft. Ende Dezember erklärte ein amerikanischer Reparationsoffizier, dass das Werk den Russen zugesprochen worden sei, da das ursprüngngliche Werk Genshagen nun in der sowjetischen Besatzungszone lag. Die Anlage erscheint in den Unterlagen als Reparationswerk Nr. 13, bis Juli 1946 verließen 586 Maschinen aus Obrigheim den Hafen von Bremerhaven in Richtung der Sowjetunion. Aus der bis März 1947 anhaltenden Demontage des Werks Goldfisch stammten rund die Hälfte aller aus Baden-Württemberg in die Sowjetunion gelieferten Maschinen-Reparationen. Der genaue Ablauf der von deutscher Seite wenig begrüßten Demontage ist urkundlich kaum mehr nachvollziehbar, es kam jedoch zu verschiedenen Zwischenfällen. Es gibt Gerüchte, dass statt Maschinen Steine in Kisten verladen wurden oder dass die Demontagefirma Maschinen unbrauchbar gemacht hätte. Für Aufregung sorgte auch ein Zug aus 60 Waggons mit Werkzeugmaschinen aus Genshagen, der noch im März 1945 nach Neckarelz gelangt war, aber dort nicht mehr ausgeladen sondern weitergeleitet worden war und in den Wirren des Kriegsendes monatelang verschwunden blieb. Was sich im Einzelnen ereignete, ist nicht mehr verifizierbar, jedoch war die gesamte Belegschaft der Demontagefirma 1946 für 14 Tage inhaftiert, wodurch die Maschinenverladung zeitweilig ruhte, und wurden fünf sowjetische Militärangehörige, die bei der Demontage in Obrigheim beteiligt waren, wenig später in Gera wegen Nichterfüllung ihrer Aufgaben von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die im Stollen verbliebenen und nicht zur Reparationsmasse zählenden Maschinen mussten nach dem Ende der Lieferungen an Russland aus dem Stollen geräumt werden, danach sollte der Stollen Goldfisch auf Wunsch der russischen Seite gesprengt werden. Die amerikanische Militärregierung sprach sich jedoch bereits im Januar 1947 gegen die Sprengung aus. Noch im Stollen Goldfisch verbliebene Maschinen wurden zu Schätzpreisen an die deutsche Wirtschaft verkauft, die letzten Maschinenteile zum Schrottpreis an die Heilbronner Firma Lindauer. Die Fundamente der Maschinen wurden zerstört.

Zur wirtschaftlichen Abwicklung der Goldfisch GmbH wurde im April 1946 der bei der Daimler-Benz-Motoren AG tätige Diplomkaufmann Georg Willi Reinhard zum Treuhänder bestellt. Reinhard stand einerseits zeitweise unter dem letztlich haltlosen Verdacht, keine seriöse Kassenführung zu betreiben, weswegen er im Sommer 1947 zeitweilig seines Postens enthoben war. Andererseits hatte er keine Handhabe gegen Maschinenverkäufe weit unter Wert durch die jeweiligen Reparationsoffiziere. Um die rechtlichen Verhältnisse der Goldfisch GmbH gab es außerdem langwierige Streitigkeiten. Die amerikanische Militärregierung beanspruchte das beschlagnahmte Unternehmen als amerikanisches Eigentum. Die Daimler Benz AG in Stuttgart sprach sich gegen eine Übernahme aus, weil dem Restwert des Unternehmens ungleich höhere Verbindlichkeiten aus Materiallieferungen und ähnlichem gegenüberstanden. Die Daimler-Benz-Motoren GmbH befand sich in der sowjetischen Besatzungszone und war nicht handlungsfähig. Auf Vermittlung des Wirtschafts- und Finanzministeriums fiel im April 1947 in Diedesheim der Beschluss zur Gründung einer neuen Fertigungsfirma, die Ersatzteile für den Fahrzeugbau fertigen und Werkzeugmaschinen reparieren sollte, an der die Daimler Benz AG jedoch nicht beteiligt sein solle. Zur Grundausstattung des neuen Unternehmens, der Maschinenfabrik Diedesheim, zählten die bei der Gipsgrube Friede verbliebenen Maschinen, die zwar demontiert, aber nicht in die Sowjetunion verfrachtet worden waren und die die Maschinenfabrik nach Übergabe der Grube zum 1. Januar 1948 an die Portland Zementwerke Heidelberg übernahm. Bei der Maschinenfabrik kamen viele der Zivilbeschäftigten unter, die im Zuge der Verlegung der Motorenproduktion von Genshagen nach Obrigheim gekommen waren und zuletzt bei Demontagearbeiten eingesetzt waren.

Ende 1948 galt die Abwicklung der Goldfisch GmbH als weitgehend abgeschlossen. Bis April 1949 stand die Goldfisch GmbH noch unter Vermögenskontrolle und Treuhänderschaft, danach wurde das Restvermögen freigegeben und das Unternehmen aufgelöst.

Overlay des Stollenplans Brasse und Goldfisch über einer aktuellen topografischen Karte (Norden ist rechts)

 

Fazit

Die Erwartungen von Mititär und Daimler Benz an diesen Rüstungsstandort wurden in keinster Weise erfüllt.

Zum Einen konnte die angenommene Produktionsleistung durch das sich abzeichnende Kriegsende und die damit verbundenen Logistikmängel nicht erreicht werden. Einen nennenswerten Einfluß auf den Kriegsverlauf war nicht gegeben.

Die von Daimler Benz erhoffte Rettung des Anlagenkapitals über das Kriegsende hinaus trat nicht ein, da der Großteil der Maschinen als Reparationsleistung den Russen zugesprochen wurde.

 

Leidtragende waren die Zwangsarbeiter und Arbeiter, welch unter größter Entbehrung und menschenunwürdigen Zuständen hier ihre Arbeit verrichten mußten. Die Zahl der hier ums Leben gekommenen wird wohl nie genau beziffert werden können. Es dürfte sich aber um mehrere Hundert Personen handeln.

 

 

Quellen

@ Beschilderung "Goldfischpfad" vor Ort

@ Das Daimler Benz Buch - "Ein Rüstungskonzerin im Tausendjährigen Reich"

@ Stefan Müller, Thailand

@ Wikipedia

 

Erhaltene Bauten im Umfeld der U-Verlagerung A8 "Goldfisch"

Die nachfolgend beschriebenen Relikte werden durch den sehr interessanten ca. 3 km langen Geschichtslehrpfad "Goldfisch" erschlossen. Stellenweise werden Fotos von dort abgelichteten Erklärungstafeln unten wiedergegeben.

 

Treppe

Vom Neckarufer zum 55 Meter darüber liegenden Stolleneingang wurde für und von den Zwangsarbeitern eine Treppe angelegt, welche heute noch größtenteils erhalten ist. Über diese erfolgte der Auf- und Abstieg der Arbeiter bei jeder Witterung.

Treppenaufgang zum Stollenmundloch "Goldfisch"

 

Verwaltungsgebäude

Das ehem. Verwaltungsgebäude der U-Verlagerung Goldfisch befand sich 85 Meter über dem Neckar und lag somit um etwa 10 Meter höher als die LKW-Zufahrt in den Stollen. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude ausgebaut und dient heute als privates Wohnhaus.

Anlage Goldfisch über dem Neckar

Legende zum Bild oben:

Grüner Pfeil = Ehem. Verwaltungsgebäude

Braune Linie = Südliches Karlsberg-Tunnelportal mit ehem. Bahnlinie Aglasterhausen-Mosbach

Rotes Rechteck = Ehem. Heizkraftwerk

Gelb = LKW-Zufahrt zum Stollen

 

Eingangsbunker "Golfisch"

Von der ehemaligen U-Verlagerung A8 "Goldfisch" ist der massive, flankierende Eingangsbunker erhalten geblieben. Auf ihm befand sich zu Kriegszeiten eine 20 mm Vierlingsflak, welche anfliegende Tiefflieger abwehren sollte. Im Bunker selbst befindet sich ein Z-förmiger Durchgang, der wahrscheinlich zum Lagern der Flak-Munition verwendet wurde.

Goldfisch, flankierender Eingangsbunker, links die LKW-Einfahrt in die Gipsgrube

 

Brücke und Bahnlinie

Von der Bahnbrücke über den Neckar sind keine Relikte mehr vorhanden. Die letzten beiden Brückenpfeiler auf Obrigheimer Seite wurden 1971 beseitigt.

Die ehemalige Bahnlinie, mittels derer sämtliche Personen- und Warenbewegungen zu der Untertageverlagerungen abgewickelt wurden, wurde nach dem Krieg stillgelegt und der Gleisaufbau beseitigt. An sie wird durch ein kurzes Gleisstück erinnert. Hinter diesem liegt ein rechteckiger Sandsteinblock, welcher an die abgetragene Neckarbrücke erinnern soll.

Neckarbrücke und Nordportal des Karlsbergtunnels vor der Errichtung der U-Verlagerung
Pfeiler der alten Neckarbrücke, aufgenommen in der frühen Nachkriegszeit
Gleisstück und Sandsteinblock erinnern an die abgegangene Bahnlinie

 

Gebäude unbekannter Zweckbestimmung

Etwa 50 Meter vor der Umschlaghalle befindet sich ein in den aufsteigenden Hang einbetonierter kleiner Raum mit geringer Fläche von ca. 1,5 m2. Er ist heute mittels einer verbretterten Tür verschlossen.

Gebäude unbekannter Zweckbestimmung

 

Stichbahngleis zur Umschlaghalle

Von der Bahnlinie Aglasterhausen / Mosbach wurde zw. dem Südende des Karlsbergtunnels und der Neckarbrücke (heute nicht mehr vorhanden) ein 110 Meter langes Stichbahngleis parallel zum Neckar in südlicher Richtung verlegt. Das Gleis wurde nach Aufgabe der Strecke demontiert, der Gleiskörper ist noch vorhanden und Bestandteil des Goldfischpfades. Am Ende des ehem. Gleises befindet sich die Umschlaghalle.

Stichbahnkörper mit Blickrichtung zur ehem. Neckarbrücke

 

Umschlaghalle

Die Umschlaghalle liegt am Ende des Eisenbahn-Stichgleises. Halle und das Gleis wurden extra für die Untertageproduktion gebaut. Waggons konnten mittels einer vor der Halle liegenden Rampe be- und entladen werden. Halb- und Fertigprodukte wurden in der Umschlaghalle nur kurz zwischengelagert. Unmittelbar hinter der Halle befand sich der Eingang zum ELKA-Stollen, durch welchen die Güter mittels Lastenaufzug von oder zu den Produktionsstätten transportiert wurden. Von der Umschlaghalle sind die Betonstreben und die davor befindliche Verladerampe erhalten.

Reste der Umschlaghalle mit davor liegender Bahn-Verladerampe
Reste der Umschlaghalle. Im Vordergrund Entwässerungsrohr der Gipsgrube.

 

ELKA-Stollen

Unmittelbar hinter der Umschlaghalle befand sich 23 Meter über dem Neckar der ELKA-Stollen. Auch er wurde für die unterirdische Produktion im Sommer 1944 angelegt. Der Name ELKA-Stollen kommt von den Elektrokarren, mit welchen der Warentransport durch den Stollen erfolgte. Er hatte eine Länge von 200 Meter. Am Ende lag ein ein Fahrstuhl, mit welchem die Waren zur 40 Meter höheren Produktionsebene befördert wurden. Nach dem Krieg wurde der Stolleneingang zugesprengt. Fahrstuhlschacht und Stollen sind im Inneren des Gipswerks noch vorhanden aber nicht zugänglich.

Der ELKA-Stollen (rot) und Innenaufnahmen
Hinter der Umschlaghalle war der untere Eingang in den ELKA-Stollen. Er ist heute verschüttet aber die Lage ist erkennbar.

 

Heizkraftwerk(e)

Im Inneren der Stollen herrscht ganzjährig eine Temperatur von 11 °C. Um Korrosion an den Werkzeugmaschinen, metallenen Halbzeugen und Fertigteilen zu verhindern, musste die Luft im dortigen Lager- und Produktionsbereich erwärmt und getrocknet werden. Zu diesem Zweck wurde zwischen Berghang und Neckar im Winter 1944/45 ein Heizkraftwerk errichtet. Die Hülle des Kraftwerks wurde bombensicher aus Beton gegossen. Die Befeuerung erfolgte mit Kohle, welche mit der Bahn angeliefert wurde und vom Bahnwagon direkt in den unterirdischen Kohlebunker gekippt werden konnte. Über Rohrleitungen wurde zirkulierend heisses Wasser zu den im stolleninneren befindlichen Wärmetauschern geleitet. Aufgrund des riesigen Produktionsraums hat die Anlage aber nicht zufriedenstellend gearbeitet. Mittels zweier mobiler im Stollen installierter Dampfmaschinen konnte die Luftfeuchtigkeit im Stollensystem letztendlich von 100% auf 50 bis 60% reduziert werden.

 

Das Heizkraftwerk wurde beim Bau des Mosbacher Kreuzes 1986 bis auf Grundmauerreste abgetragen. Diese sind aber noch heute neben der Landstrasse L588 sichtbar. Die Mächtigkeit der Fundamente von 3 Metern lässt Rückschlüsse auf die starke Betonhülle gegen Bombentreffer zu. Der unterirdische Kohlebunker mit 8 Meter Tiefe ist heute noch erhalten, aber nicht öffentlich zugänglich.

 

Wegen der ungenügenden Leistungsfähigkeit des Heizkraftwerks und der Beheizung der Anlage "Brasse" wurde ein zweites Heizkraftwerk am Luttenbach geplant, welches jedoch nicht mehr zur Ausführung kam.

 

Heizkraftwerk von der Neckarseite aus gesehen. Links sind 2 Eisenbahnwaggons zu sehen. Rechts im Bild die Bahngebäude
Neuzeitlich abgetreppte Fundamentreste des Heizkraftwerks
Heizkraftwerk von der Talseite aus gesehen
Reste des verbunkerten Heizkraftwerks I neben der L588
Das Heizkraftwerk in den 70-er Jahren

 

Entlüftungsbauwerk der Härterei

600 Meter westlich und oberhalb des Goldfisch Stolleneingangs beindet sich das Entlüftungsbauwerk der Härterei. Über dieses wurden die schädlichen Dämpfe der 20 Härtebäder ins Freie geleitet. An der heute noch sichtbaren Stahlkonstruktion waren leistungsstarke Gebläse verankert. Man erkennt im oberen Drittel der Wände zugemauerte Öffnungen. In diesen waren wohl Lüftungsgitter eingelassen, durch welche mittels Konvektion der Luftaustausch erfolgen sollte. Dies hat allem Anschein nach nicht befriedigend funktioniert. Worauf man die Gitter entnahm, die Öffnungen verschloß, die Gebläse einbaute und über den aufgesetzten bzw. in das Dach eingelassenen Blechkamin die Anlage entlüftete.

Entlüftungsbauwerk

 

Brauchwasserbehälter

Mittels eines unten am Neckar befindlichen Pumpwerkes (nicht erhalten) wurde Neckarwasser in den betonierten Behälter gepumpt. Von dort aus konnte das Wasser in den darunter befindlichen Stollen bei Bedarf entnommen werden.

Verschweißte Revisionsöffnung des Wasserbehälters. Der eigentliche Behälter befindet sich im Erdreich

Erhaltene Bauten im Umfeld der U-Verlagerung A8b "Brasse"

Lagerhalle und Haltestelle Finkenhof

Halle und Haltepunkt wurden speziell für die U-Verlagerung gebaut. Hinter der Halle befand sich eine 3300 m2 große Lager-Freifläche. In der Halle wurde Material für den Ausbau der unterirdischen Rüstungsproduktion und Halbzeuge zwischengelagert. Die Haltestelle war nicht öffentlich. Personenzüge hielten demnach dort nicht. Beim Vorbeifahren von Personenzügen mussten aus Geheimhaltungsgründen die Abteilungsfenster mit Vorhängen verschlossen werden. Die Lagerhalle existiert heute noch, während von den Bahnanlagen nichts mehr vorhanden ist. 

Haltestelle und Lagerhalle Finkenhof, vor der Halle (rechts im Bild) führte die Bahnlinie vorbei

 

Karlsbergtunnel

Etwa 60 Meter südlich vom Bahnhof Finkenhof befindet sich das Nordportal des 135 Meter langen Karlsbergtunnels. Der Tunnel wurde zusammen mit der Bahnlinie Aglasterhausen - Mosbach errichtet und im Jahr 1862 in Betrieb gebommen. Ursprünglich für Zweigleisbetrieb gebaut wurde er jedoch nur eingleisig betrieben. Die freie, seitliche Tunnelfläche wurde wahrscheinlich zum Ende des Krieges für Be- und Endladearbeiten bei Gefahr durch Bombenabwurf benutzt. An der Tunneldecke kann man heute noch die Kohlerauchspur der Dampflokomotiven sehen. Im Inneren befinden sich zwei seitliche Mannausweichen. In eine der Ausweichen wurde ein etwa 1 m3 fassendes Becken einbetoniert, welches durch Sickerwasser gespeist wird. Am Boden des Beckens befindet sich eine Rohrleitung zum Ablassen des Wassers. Von der zweiten Mannausweiche aus wurde ein etwa 1 Meter im Durchmesser messender Schacht bis auf etwa 5 Meter Höhe getrieben. An dessen (unvollendetem) Ende findet sich heute noch der Rest des hölzernen Standgerüsts, welches als Plattform für die von Hand ausgeführten Ausbrucharbeiten diente. Funktion des Wasserbehälters und des begonnenen Schachts sind unklar. Allem Anschein wurden hier aber noch Dinge geplant, welche nichts mit dem unmittelbaren Bahnbetrieb zu tun hatten. Zur Fertigstellung kam es jedenfalls nicht mehr. Der südliche Tunneleingang wurde nach dem Krieg zugemauert. Dahinter befindet sich ein betonierter Einbau, welcher schräg mit Sand angefüllt war. Er diente in den siebziger Jahren als Kugelfang für Schießversuche der Fa. Mauser. Der Tunnel wird aktuell von der Kommune als Materiallager verwendet.

Nordportal des Karlsbergtunnels
Das Tunnelinnere mit seiner sauberen Sandsteinausmauerung, links oben an der Decke Kohlerauchspur der Lokomotiven. Am Tunnelende ist (schwach) der betonierte Kugelfang zu erkennen.
Nach oben führender, unfertiger Schacht

 

Weg durch die Luttenbachschlucht

Vom Bahnhof Finkenhof führt ein Waldweg steil den Berg hinauf zu der U-Verlagerung Brasse. Der Weg wurde für den Ausbau der U-Verlagerung 1944 angelegt. Auf dem Weg wurden die Baumaterialien für die U-Verlagerung hinauf befördert. Mangels motorisierter Transportfahrzeug und Benzin mussten Zwangsarbeiter die Züge an der Haltestelle Finkenhof von Hand entladen und auch zeitweise die Baumaterialien auf ihrem Rücken die 70 Höhenmeter hinauf zur Baustelle tragen.

Aufgang zur U-Verlagerung Brasse durch die Luttenbachschlucht

 

Überlaufstollen ders Wasserspeicher

Für den oben am Hang liegenden, betonierten Wasserbehälter wurde ein Ablaufkanal angelegt. Dieser tritt am südlichen Luttenbachhang zutage. Die damals überschüssigen Wassermengen wurden damit dem Luttenbach zugeführt.

Auslauf des Wasserkanals

 

Küchengebäude

Für die 4000 geplanten deutschen Arbeiter, welche in der unterirdischen Produktionsstätte arbeiten sollten, wurde im Winter 1944 eine Küchengebäude mit 8 Kochstellen, Aufenthalts- und Lagerraum errichtet. Da die Produktion noch nicht lief wurden die Arbeiter bekocht, welche mit der Bauausführung der U-Verlagerung betraut waren. Am 02.02.1945 wurde das Gebäude bei einem Angriff der USAAF durch einen Bombentreffer beschädigt, so dass es nicht mehr nutzbar war. Gekocht wurde hiernach im Stollen Brasse. Nach dem Krieg erfolgte eine Instandsetzung des Baus. Darin wurden nun giftige Pflanzenschutzmittel hergestellt. Hierbei wurde auch der umliegende Boden kontaminiert. Die Stadt Obrigheim entschloss sich daher 1999 das Gebäude abzureißen und den Boden zu dekontaminieren. Die plane Gebäudefläche mit Grundmauerteilen ist noch sichtbar.

 

In der Nachkriegszeit war das Küchengebäude noch in einem augenscheinlich passablem Zustand
Ehem. Küchengebäude

 

Wasserversorgung der Küchenbaracke

Für die Versorgung mit Frischwasser wurde am Hang oberhalb der Küche eine Quelle gefasst und davor ein Speicherbecken betoniert. Beide Bauwerke blieben erhalten. Die Quelle schüttet auch heute noch Wasser.

Links die Quellstube, rechts das davor liegende Speicherbecken
Fundamentrest des Küchengebäudes

 

Wohnbaracken

Für die Deutschen Werkarbeiter wurden am rechten Abhang der Lutenbachschlucht vier in Längsreite liegende Wohnbaracken geplant. Durch die Unterbringung in unmittelbarer Nähe der U-Verlagerung Brasse sollten weite Wege zur Arbeitsstelle vermieden werden. Die An- und Anreisezeit sollte sinnvollerweise so gering als möglich gehalten werden um die Zeit für produktive Arbeit nutzen zu können.

In der Bildmitte Standfläche einer ehem. Wohnbaracke
Anhand der planierten Flächen sind die Barackenstandorte heute noch gut erkennbar

 

Verwaltungsgebäude

Vor der linken Flankierungsmauer zum Stollenzugang Brasse befand sich das Verwaltungsbebäude der Anlage. Es war als leichte Baracke ausgeführt und wurde nach dem Krieg abgebaut. Die plane, betonierte Standfläche ist heute noch sichtbar.

Standfläche des ehem. Verwaltungsbaus

 

Wachunterstand

In der linken Flankierungsmauer vor dem Stollenmundloch Brasse befindet sich ein Unterstand für einen Wachmann. Duch eine Ausnehmung in der aus Buntsandstein errichteten Mauer konnte vom Unterstand aus in Richtung Lutterbachschlucht geblickt und ankommende Personen frühzeitig erkannt werden.

Einbau für Wachmann in der linken Flankenmauer vor dem Stolleneingang

 

Stollen "Brasse"

Die U-Verlagerung trug die Wehrmachtsbezeichnung A8b. Die Anlage wurde auf 9000 m2 Fläche ausgebaut. Dort sollte die Motorenproduktion von Daimler Benz, Werk Sindelfingen, in ein bombensicheres Sollensystem einziehen. Die Ausbau- und Planierarbeiten im Stollen konnten soweit fertig gestellt werden. Die Kosten werden auf 1. Million Reichsmark beziffert. Zur Aufnahme der  Motorproduktion kam es jedoch nicht mehr, da die US Armee einrückte und die Fabrik besetzte. Die Anlage dient heute als Entlüftung und Notausgang für das nebenan befindliche Untertagegipswerk (Goldfisch) und als Fledermausquartier. Sie ist nicht zugänglich. Es besteht Einsturzgefahr. 

U-Verlagerung Brasse, vergitterter Stolleneingang
Brasse, durch das Eingangsgitter aufgenommen. Im hinteren Bildbereich Verzweigung des Stollens.

 

Verteidigungsanlagen

Der Weg durch die Luttenbachschlucht hoch zum Eingang des Stollens Brasse konnte von gegenüber liegenden Erdstellungen aus mit Gewehren verteidigt werden. Die Erdstellungen waren durch Laufgräben miteinander verbunden.

Erdstellung für Infantristen
Laufgraben

Weitere Relikte im Umfeld von Goldfisch und Brasse

Ehemalige Lager

Auf den folgenden Bildern sind ehemalige Lager für Zwangsarbeiter und Gefangene zu sehen, welche für den Bau der U-Verlagerung heran gezogen wurden. Von den Lagern finden sich heute keine Spuren mehr.

SS-Sträflingslager Mosbach / Hammerweg
RAD-Lager Neckargerach
Ostarbeiterlager Neckarelz "In der Hohl"
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© Hans-Günther und Jürgen Morr