Geschichtlicher Abriß
Der Hilsenfirst ist ein ca.1,5 km langer und 700 Meter breiter Berg in den Hochvogesen. Sein höchster Punkt erreicht 1274 Meter üNN. Der Gipfel befindet sich etwa 6 km südlich von Metzeral. Von seinen Höhen aus sieht man bei klarem Wetter über die Rheinebene bis in den Schwarzwald. Für das französische und deutsche Militär war der Berg im 1. Weltkrieg gleichermaßen von Beldeutung. Er fügt sich in die Reihe der Vogesenfront Berge ein von deren Gipfeln aus die Täler und das weitere Umfeld eingesehen werden konnte. Feindliche Truppenbewegungen waren somit frühzeitig zu erkennen. Das eigene Artilleriefeuer konnte von den Bergen aus durch Beobachter gelenkt werden.
Die heftigsten Kampfhandlungen fanden in den Jahren 1915 und 1916 statt. Danach verlor der Berg das Interesse der Generäle zugunsten des Hartmannweilerkopfs.
Die Kämpfe auf dem Berg sind von der Intensität nicht mit denen auf dem nahegelegenen Hartmannsweilerkopf vergleichbar. Aber auch hier mussten sich Franzosen und Deutsche auf Anordnungen der höheren Militärs verstümmeln und töten. Wie auch auf anderen Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs völlig umsonst. Auf den Frontverlauf hatten die Kämpfe keinen Einflußt.
Geschätzt kamen bei den Kämpfen auf dem Hilsenfirst 700 Soldaten ums Leben. Etwa 2500 wurden verwundet oder blieben vermisst.
Die Spuren der Kämpfe- wie Granattrichter, Gräben und Unterstände- wurden nach dem Krieg nur in geringem Maße beseitigt. Daher sind diese Überbleibsel heute noch recht gut auszumachen. Der Höhenrücken des Hilsenfirst wird nicht durch Wegen erschlossen, sondern nur tangiert.
Im Bereich der Gipfellinie lässt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen welcher Graben oder Unterstand französisch oder deutsch war. Denn die "Besitzer" haben bedingt durch Kampfhandlungen immer mal wieder gewechselt. Bei jedem Wechsel waren natürlich Tote ud Verwundete auf beiden Seiten zu beklagen. Generell läßt sich sagen, dass sich die Nord- und Ostseite des Berges in deutscher Hand befand. West- und Südseite waren und blieben französisch. Grob dargestellt auf folgender Skizze.
Legende zum Bild
Rot = Französische Gräben und Stellungen
Blau = Deutsche Gräben und Stellungen
Schwarzes Rechteck = Bauernhof (Ferme) Lechterwand
Der Artilleriebeschuß des Hilsenfirst erfolgte von französischer Seite aus vom
Die deutsche Artillerie befand sich auf dem
Weitere Stellungen gab es sicherlich auf beiden Seiten, konnten aber nicht ermittelt werden.
1. Fussweg auf den Hilsenfirst
Das Fahrzeug parkt man ab besten in der oberen Spitzkurve der Verbindungsstraße Landersen - Petit Ballon. Im Scheitelpunkt der Kurve zweigt der Waldweg zur Ferme Lechterwand ab, welche man nach 1,3 km Fußmarsch erreicht. Die Ostseite des Hilsenfirst- inclusive Lechterwand- befand sich damals auf deutscher Seite..
Legende zum obigen Bild
Blaue Linie = Tourenverlauf, ca.6 km
1 = Startpunkt / Ende der Tour
2 = Ferme Lechterwand
3 = Ehem. Hauptgraben zum Hilsenfirst
4 = Denkmal Alpenjäger
5 = Gedenktafeln Sidi Brahim
6 = Nordspitze des Berges mit franz. Gräben und Unterständen
7 = Ehemaliger Frontverlauf
8 = Deutsche Werferstellungen
9 = Französischer Stützpunkt Langenfeldkopf (heute NSG, nicht zu betreten)
2. Ferme Lechterwand
Die ehemalige Ferme wird landwirtschaftlich nicht mehr genutzt (2026). Sie dient aktuell als Feriendomizil und ist in Privatbesitz. Dieses heutige Anwesen wurde 1948 errichtet. Der Vorgängerbau beherbergte zu Beginn des Krieges den deutschen Gefechtsstand. Im Laufe des Kriegs wurde der erste Bauernhof zerstört.
Oberhalb der Ferme Lechterwand befindet sich der konvexe Steilhang "Latschenwäldchen". In diesem Hang hatten die Deutschen ihre Minenwerfer positioniert. Die Position war gut gewählt, da durch die Schräge des Geländes und den Hinterhang der feindlichen Artillerie keine große Trefferfläche geboten wurde.
3. Deutsche Stellungen und Haupaufgang
Man läßt die Ferme links liegen und wandert auf dem Weg weiter. Nach 200 Meter sieht man im Wald oberhalb des Weges Gräben und verschüttete Unterstände. In der darauf folgenden Linkskurve befand sich der steile deutsche Haupaufgang zum Hilsenfirst in Form eines Laufgrabens. Dazu später. Man folgt dem Waldweg weiter und umrundet damit den Füß des Hilsenfirst. Dort wo der moderne Wegebau den Waldboden tief geschnitten hat ragen alle möglichen Eisenteile hervor, welche man für den Stellugsbau und die Errichtung von Infanteriehindernissen verwendete.
Dann werden auch unterhalb des Weges tiefe Gräben und Unterstände sichtbar. Man befindet sich jetzt im französischen Areal.
4. Alpenjäger Denkmal
Nach 2,6 km Gesamtstrecke erreicht man eine Wegkreuzung bei welcher sich rechts am Hang ein freistehender Felsen befindet. An dessen Spitze eingelassen befindet sich eine Inschriftentafel aus Beton für den französischen Alpenjäger "Fianson". Er ist am 2. Mai 1916 in der Nähe des Felsens gefallen.
5. Sidi Brahim Denkmal
Man biegt dann nach links (nach Süden) in den abzweigenden Forstweg ein. Nach 40 Metern zweigt links ein Pfad ab, welchem man steil bergauf folgt. Nach 500 Metern, am Ende des Pfades, befindet sich wieder ein freistehender Felsen im Hang. Auf seiner Spitze weht die Trikolore. Seitlich am Felsen befinden sich zwei Tafeln zu Ehren der französischen Soldaten, welche am Hilsenfirst kämpften und starben. Eine durch Kämpfe personell stark dezimierte Einheit unter dem Kommandanten Manhes soll in einer fast ausweglosen Situation isoliert weiter gekämpft haben und nach drei Tagen durch Kameraden entsetzt worden sein. Wegen dieser Heldentat bekam die Kompanie den Ehrennamen "Sidi Brahim". In deutschen Quellen findet sich nichts zu diesem Ereignis. Wenn man die Lokalitat kennt kommt man auch zu dem Schluß, dass die Aufzeichnungen des Kommandaten Manhes stellenweise widersprüchlich sind.
6. Aufstieg zum "Schlachtfeld"
Oberhalb des Sidi Brahim Denkmals gibt es keinen Pfad mehr. Man folgt dem deutlich sichtbaren Laufgraben durch den dichten Wald hinauf zum Nordende des Hilsenfirst. Nach 100 Meter steilem Aufstieg endet der Wald und man kommt auf die fast baumlose Hochfläche. Hier oben hat man das eigentliche Schlachtfeld erreicht.
Auf der nun folgenden Hochfläche befinden sich noch viele Reste der einstigen Annäherungshindernisse. Teilweise unsichtbar unter Gras verborgen. Man muß jeden Schritt bewußt setzen um nicht in eines der spitzen Gegenstände zu treten oder in einen verdeckten Unterstand zu fallen.
Nach dem Krieg wurden die Hindernisse gesammelt und in die Granattrichter und Unterstände geworfen. Dort wo die Teile zu fest im Felsen verankert waren hat man sie stehen lassen.
7. Oben auf dem Schlachtfeld
Sofort fallen dort die dicht beieinander liegenden Granattrichter auf, welche die Gräben teilweise zum Einsturz gebracht haben. In diesem Bereich befinden sich diverse in den Boden gegrabene Stollen und Unterstände in welche die Soldaten flüchteten um nicht durch Granaten verletzt oder getötet zu werden. Der hölzerne Verbau der Stollen ist mittlerweile verfault. Sie sind daher einsturzgefährdet. Keinesfalls hineinkriechen bzw. betreten!
Man folgt einem geradlinig verlaufendem neuzeitlichen Weidezaun-Stacheldraht. Hier befindet man sich im ehemaligen Niemandsland, der Fläche zwischen den jeweils vorderen Gräben. Hier gibt es kaum einen Quadratmeter Boden, welcher nicht von Gräben durchzogen ist oder von Granateinschläger zerwühlt wurde. Es lassen sich hier keine Zuordnungen machen, welcher Graben zu welcher Seite gehörte.
Die Aufnahme unten geht nach Norden. Jeweils unterhalb der Gratlinie- etwa in der Bildmitte zum Horizont laufend- verliefen die vordersten Gräben. Man konnte bedingt durch den dazwischen liegenden, erhöhten Mittelgrat des Hilsenfirst nicht in die gegnerischen Gräben hinein sehen oder Handgranaten hinein werfen. Hierzu wurden Sappen angelegt.
Das folgende, zeitgenössische Luftbild geht ebenfalls von Süd nach Nord (oben). Links im Bild die französischen Stellungen. Rechts der durchgehende deutsche Kanpfgraben mit den nach rechts zur Lechterwand abknickenden Zugangsgräben. Oben rechts der Haupt-Zugangsgraben zur deutschen Linie auf dem Berg.
Rechts der alte Bauernhof Lechterwand. Dass Foto dürfte nicht lange nach Kriegsbeginn entstanden sein, denn die sichtbaren Bomben- und Granattrichter sind noch relativ wenige im Vergleich zu späteren Aufnahmen.
Die nächste Skizze aus deutschem Archiv zeigt das Niemandsland (gelbe Fläche) und vier französische Befestigungen (rot) in deren Frontlinie. Die 2. deutsche Linie (rechts) befand sich schon im Übergangsbereich zum Steilhang "Latschenwäldchen".
Von den französischen Befestigungen finden sich sich heute im Gelände keine signifikanten Spuren mehr.
Es sei nochmals daran erinnert, dass die gelbe Fläche höher lag als die vorderen Gräben.
Weitere Bilder vom Hilsenfirst. Man beachte die Fernsicht.
Nachdem man den Hilsenfirstgifel erreicht hat umrundet man diesen in einem Halbkreis. Man befindet sich danach in bewaldetem Gelände auf ehemals deutscher Seite. Die Zerstörung der ursprünglichen Bodenoberfläche durch Granaten und Gräben ist hier noch gravierender. Durch die Bewaldung verbot sich eine Verfüllung bzw. Planierung nach dem Krieg.
8. Minenwerfer Stellungen
Am westlichen Steilhang, im "Latschenwäldchen", sind drei deutsche Minenwerfer Bunker erhalten. Die betonierten Bunker schützten die Werferbesatzung vor feindlichen Granatsplittern. Dorthin führt heute kein Weg mehr. Der von den deutschen Pionieren angelegte Zugang zweigte vom Hauptgraben im Norden ab und verlief annähernd waagrecht auf der 1230 Meter Höhenlinie. Der alte Weg ist heute überwiegend von Hanggerölleen verschüttet. Man muß gut zu Fuß sein um über den bewaldeten Steilhang die Werferstellungen zu erreichen.
Die Franzosen setzten in dem Abschnitt mindesten 9 Werfer ein. Ob es weitere deutsche Werfer in unbefestigten Feldstellungen gab ist bis dato unbekannt.
Der Werfer im Bunkerinneren war ein Steilfeuergeschütz, welches Luftminen mit geringer Wanddicke aber großer Sprengstoffmenge in hohem Bogen auf die feindlichen Stellungen verschoß. Da der Beschuß indirekt erfolgte konnten auch Schützengräben oder gedeckte Stellungen erreicht werden. Die Minen ebneten durch ihren Explosionsdruck Stellungen und Gräben ein und zerissen Stacheldraht Hindernisse. Wer sich in der Nähe des Detonationsortes befand starb durch die hohe Druckwelle. Auf kurze Schußdistanz musste unbedingt die Windrichtung und Stärke berücksichtigt werden. Hatte man sich dabei vertan kam die Mine über der eigenen Stellung runter und zerstörte diese.
Im Steilhang vor den Bunkern befanden sich Erdunterstände zum Schutz der Werferbedienungen bei gegnerischem Minenbeschuß. Deren hölzerner Innenausbau ist vergangen. Sie sind dadurch eingestürzt oder durch Hanggerölle verschüttet.
Der Erhaltungszustand der betonierten Bunker ist mehr oder minder schlecht, was auf die unsauberen Zuschlagstoffe und die geringe Zementzugabe beim Betonieren zurückzuführen ist.
In den deutschen Unterlagen (siehe folgende Luftaufnahme) wurden die Werferbunker nach ihren Standorten mit NMW (Nördlicher Mienenwerfer), MMW (Mittlerer Mienenwerfer) und SMW (Südlicher Minenwerfer) gekennzeichnet.
Die Luftaufnahme zeigt die Einschläge der Minen in der Nordhälfte des Hilsenfirst als schwarze Flächen im Schnee in die französischen Grabenbereiche. Nicht zuordenbare Einschläge wurden mit rotem Fragezeichen gekennzeichnet.
Fortsetzung folgt