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Zum Gedenken an Hans Morr

Burg Lindelskopf

Der Lindelskopf ist der Hausberg von Ludwigswinkel. Seine Hänge fallen nach allen Seiten steil ab. Der Berg liegt etwa 1 km östlich der Ortschaft. Mit einer Höhe von 343 Meter üNN. überragt er den Ort um ca. 100 Meter. Auf der Bergkuppe befindet sich eine rund 80 Meter lange, vom Wetter allseitig frei erodierte Sandsteinrippe von unterschiedlicher Breite und maximal 10 Meter Höhe. Der Felsen ist durch eine natürliche Spalte quer geteilt. Hierdurch ergibt sich ein kürzerer Felsabschnitt (Nordfelsen), welcher ca. 25 % der Gesamtlänge ausmacht. Dieser wird durch ein größeres natürlich entstandenes Loch auf gesamter Tiefe durchbrochen. Er wird daher im Volksmund "Auge Gottes" genannt. Das Plateau dieses Felsens ist heute nicht zugänglich und findet daher im Folgenden keine Erwähnung. Die Bezeichnung "Lindel" bedeutet Linde. Demnach darf der Name Lindelskopf mit Lindenkopf übersetzt werden. Die Linde muß daher früher eine vorherrschende Baumart am Berg gewesen sein.

Auf der Sandsteinrippe des Berges vermuteteine die Wissenschaft eine abgegangene, mittelalterliche Burganlage. Schriftliche Belege oder Hinweise, welche die Burgstelle zweifelsfrei als solche benennen sind nicht bekannt.

Es existieren nur geringe Spuren, welche einer Burgstelle zugeordnet werden könnten. Diese werden nachfolgend beschrieben. 

 

Der Lindelskopf-Felsen von Ludwigswinkel aus gesehen

 

Einzig die Oberfläche des mittleren Felsens ist heute zugänglich. Auf dieser finden sich auch einige Bearbeitungsspuren. Der südlich anschließende Felsabschnitt liegt deutlich tiefer als Nord- und Mittelfelsen. Auch wegen seiner geringen Fläche von wenigen Quadratmetern dürfte er nur unwesentlicher Bestandteil der vermeintlichen Burg Lindelskopf gewesen sein.

 

Ehemaliger Zuweg

An der westlichen Hangseite kann man im heutigen Wald mit einiger Phantasie einen schmalen, Richtung Norden zum Gipfel aufsteigenden Weg erkennen. Dieser hätte dann an der Nordspitze des Berges das Niveau des Felsfußes bzw. der Unterburg erreicht.

 

Burgmauer

Zu jeder Burg gehört eine diese gegen Feinde schützende Befestigung. Von einer Mauer, einem Wall oder beidem finden sich am Lindelskopf keine Spuren. Eine ehemals eventuell vorhandene Holzpalisade oder ein Holzzaun wäre natürlich heutzutage verfallen. Gesicherten Schutz boten demnach die steilen Berghänge und die Höhe des Felsens.

 

Unterburg

Vor der nördöstlichen Schmalseite findet sich eine schräg zum Tal hin abfallende, größere Fläche welche für eine Bebauung mit Wirtschaftsgebäuden geeignet gewesen wäre.

An der Ostseite des Nordfelsens finden sich drei, in den aufragenden Stein eingearbeitete Aussparungen für Holzbalken. Die Erosion hat diese teilweise schon stark verwaschen. Die Aussparungen befinden sich heute ca. einen Meter über dem Boden. Unter der Annahme, dass hier das Holzdach eines Stalls oder einer Hütte verankert war und der ehemals lichte Raum zwei Meter hoch war, muß sich das alte Bodenniveau der Unterburg heute unter mindestens einem Meter Schutt befinden. Dieser wäre vom darüber gelegenen Felsen in den Jahrhunderten seit der Nutzung abgebrochen bzw. aberodiert worden. 

Ansonsten findet sich um den Burgfelsen herum keine Flächen welche als Standort für größere Aufbauten geeignet wären.

 

Ausarbeitungen zur Balkenauflage

Aufgang

Der Aufgang zur Oberburg erfolgte zu jeder Zeit durch den natürlichen Spalt zwischen Nord- und Mittelfelsen. Nachdem man auf einer neuzeitlichen, an der Westseite fest installierten neuzeitlichen Eisenleiter aufgestiegen ist, erreicht man ein auf dem Sandstein befindliches kleines Podest.

Podest mit nach oben führender Treppe

 

Gegenüber der Eisenleiter befinden sich etwas unterhalb des Podests- vermutllich in Originallage- zwei zugerichtete Sandsteine. Hierbei müßte es sich um den Rest einer Mauer handeln, welche die Felsspalte an dieser Seite ab halber Höhe aufwärts verschloss. Heute fehlende Steine können ausgebrochen und den Berg hinab gerollt sein. 

 

Sandsteine an der Westseite (unten Detail)

Erstes Tor

Rechts und links an den angrenzenden Felswänden ist je eine vertikal längliche Ausarbeitung im Fels zu erkennen. Diese etwa 8 cm breiten Nuten liegen sich auf gleicher Höhe annähernd gegenüber. Die Bedeutung der Nuten ist unklar. Eventuell dienten sie zur Verankerung eines Tor um an dieser Stelle den Aufstieg zur Oberburg zu versperren. Über dieser Stelle müßte sich auch eine Verbindung zwischen Nord- und Südfelsen befunden haben. Dies könnte eine einfache Brücke oder ein Brückenturm aus vergänglichem Material gewesen sein.

 

Linkes im Felsen befindliche Aussparung...
...und rechtes gegenüber liegende

 

Zweites Tor

Nachdem man die Steintreppe empor gestiegen ist, befindet man sich noch ca. 2 Meter unterhalb des Oberburg Plateaus. Im links anstehenden Fels erkennt man eine eingehauene, fast rechteckig-vertikale Ausarbeitung (Nut). In dieser etwa 25 cm breiten Vertiefung dürfte sich ehemals ein Balken befunden haben, welcher wohl als Zarge für eine weitere Tür oder eines Torbaus diente. Vom darüber befindlichen Sandsteinplateau aus konnten auf dem schmalen darunter liegenden Zugangspfad vordringende Feinde leicht bekämpft werden.

 

Vertikale Nut im Felsen. Rechts unten Detail
Aufgang zur Oberburg

 

Oberburg

Die Fläche der Oberburg ist über ihre Länge unterschiedlich breit und uneben. Die Breite schwankt zwischen 4 und 6 Meter. Sie ist bis auf den Aufgang und die Südwestspitze mit dem dortigen Aussichtspunkt mit Humus bedeckt und Moosen und Gestrüpp bewachsen. Eventuell darunter befindliche Bebauungsspuren sind dadurch nicht erkennbar.

Von der Oberburg aus bot sich ohne die heute vorhandenen Bäume ein weiter Rundumblick.

 

Am südwestlichen Rand des Plateaus findet man an mehreren Stellen grob zugerichtete Sandsteine, welche in einer Linie angeordnet und maximal zwei Lagen hoch sind. Hier haben sich die Erbauer anscheinend darum bemüht, den Plateaurand zu befestigen und auf einheitliche Höhe zu bringen um mehr Fläche für Wohnzwecke zu generieren. Wegen des vorhandenen Bewuchses sind weitere, eventuell vorhandene Rand-Mauersteine nicht auszumachen.

 

Sandsteine zur Befestigung und Nivellierung des Plateaus

 

 Auf dem Felsensboden, vor einer hölzernen Sitzbank, kann man eine ca 0,5 Meter Kantenlänge messende Sandsteinplatte erkennen. Sie weist einen eingearbeiteten Anschlagfalz auf, sowie deutliche Abnutzungsspuren duch häufige Behehung. Der Stein fungierte wahrscheinlich als Anschlag für die Zugangstür zum hier vermuteten Gebäude.

 

Anschlagfalz für eine Tür

 

Am Südende des Hauptfelsens (heute Aussichtspunkt) liegt der Sandstein frei und fällt in 5 getreppten Stufen zum Ende des Massivs hin ab. In wie weit die Stufen künstlich angelegt worden sind lässt sich nicht sagen.

Drei dort am Rand vertikal eingearbeitete Pfostenlöcher lassen vermuten, dass an dieser Stelle einst ein Holz- oder Fachwerkgebäude stand.

Das Bodenniveau könnte durch ehemals um den Rand herum angeordnete Sandsteine auf einheitliche Höhe gebracht worden sein. Mit der Auflage von waagrecht über die seitlichen Felsenränder hinaus gehenden Balken hätte das Gebäude damit eine Abmessung von etwa 4 Meter Breite und 5 Meter Länge gehabt.

 

Südspitze des Hauptfelsens (Aussichtspunkt) mit Abtreppung und 2 Balkenlöchern (rote Pfeile)
Aufsicht der Südspitze des Hauptfelsens (Aussichtspunkt) mit den 3 Balkenlöchern (rote Kreise)

 

Zisterne

Auf dem Felsen findet sich kein Tiefbrunnen oder Möglichkeiten um Trinkwasser zu speichern.

Am Nordwesthang des Berges, etwa 10 Meter unterhalb des Burgfelsens, befindet sich eine etwa 3,5 Meter im Durchmesser messende, in den anstehenden Sandstein eingehauene Vertiefung. Der Aushub aus dem Loch befindet sich talseitig deutlich sichtbar unterhalb des Objekts.

Die ehemalige Tiefe läßt sich wegen anzunehmender Verfüllung nicht ermitteln. Heute beträgt sie ca. 1 Meter.

Hier vermutet die Burgenforschung eine Filterzisterne, in welcher Regenwasser gesammelt und geklärt wurde.

Heute steht auch nach ergiebigen Regenfällen kein Wasser in der Vertiefung. Demnach muß dies durch tiefer liegende Spalten im Stein versickern, was gegen eine Zisterne spricht. Natürlich können solche Ablaufstellen auch nach Aufgabe der Anlage durch Erosion, Erdbeben etc.entstanden sein.  

Eine Zisterne außerhalb des befestigten Burgareals wäre im Belagerungsfall von den Burgmannen allerdings nicht nutzbar. Der Feind würde sicherlich dem Wasserholer den Zugang verwehren um die Burgbesatzung zur schnellen Aufgabe zu zwingen.

 

Nordwestseite des Burgfelsen mit Zisterne und ehemaligem Aufgang, Drohnenaufnahme 12/2023

 

Zusammenfassung

Eine Nutzung als klassische Burg läßt sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Es fehlen Hinweise auf Befestigungen. Eine Bebauung der Oberburg für einen längeren Aufenthalt ist nicht sicher nachweisbar.

Es könnte sich beim Lindelskopf auch um einen vorgeschobenen, dauerhaft besetzten Beobachtungsposten (Wachtfelsen) von oder für die umliegenden Kleinburgen (Blumenstein, Lützelhardt, Wasigenstein) gehandelt haben.

Die Dimension der am Hang befindlichen Zisterne passt jedoch nicht zum Rest der Anlage. Sie ist für die Versorgung von 1 bis 2 Personen vom Erstellungsaufwand und der Größe mit mindestens 10.000 Liter Inhalt überdimensioniert.

Man muß auch in Betracht ziehen, dass die geringen am Lindelskopf vorhandenen Bauspuren Produkt mehrerer zeitlich in großem Abstand erfolgten Bauphasen sind.

 

Quellen:

@ Pfälzer Burgenlexikon Band III

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© Hans-Günther und Jürgen Morr