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Zum Gedenken an Hans Morr

Die Höhenbefestigung auf dem Maimont

Zwischen den beiden Weilern Gebüg in Deutschland und Wengelsbach in Frankreich befindet sich das Bergmassiv des Maimont.

Über den 515 Meter hohen Gipfel dieses Berges verläuft die 1826 ausgesteinte Deutsch-Französische Grenze. Viel älter sind die Wallanlagen, die sich im Norden des Berghangs befinden.

Entgegen der in Landkarten als Ringwall eingetragenen Lokalität handelt es sich in Wirklichkeit um  verbundene Abschnittswälle. Die auch heute noch beeindruckende Befestigungsanlage wurde lediglich an der am stärksten gefährdeten Nordseite errichtet. 

Die mächtigen Hangwälle enthalten den Versturz einer Keltischen Mauer, welche wahrscheinlich einst eine um den Gipfel herum angelegte Höhensiedlung der Eisenzeit gegen feindliche Angriffe sicherte. Von der wohl ursprünglich auf den Wällen vorhandenen hölzernen Brustwehr haben sich keine Spuren erhalten.

 

V.l.n.r: Unterer Wall, oberer Wall, Materialgraben, Bereich der Siedlung. Blickrichtung zum Tor

An der Südseite des Berges sind keine Wälle nachweisbar. Die dort sehr steilen Hänge mit bis 100% Steigung bzw. Gefälle boten einen natürlichen Schutz vor Angreifern. An den dortigen Hangkanten stand vermutlich nur ein Palisaden- oder Flechtwerkzaun aus vergänglichem Holz. Es ist bis dato nicht geklärt, ob die gesamte Anlage zeitgleich errichtet wurde oder in Etappen.

Als Erbauer der Befestigung vermutet die Wissenschaft einen Keltenstamm. Die Kelten siedelten zwischen 800 und 100 vor Christus auch in Südwest-Deutschland und errichteten viele ähnliche Anlagen, welche teilweise stadtähnliche Strukturen und Größe hatten (Oppida).

 

So könnte die innere Befestigung des Maimont ausgesehen haben

 

Die Befestigung des Maimont hatte eine größte Ausdehnung von etwa 330 x 100 Meter, die Fläche des äußeren Walls nicht eingerechnet. Das umfriedete, innere Areal betrug ca. 2,3 Hektar.

Die antiken Toranlagen geben sich heute durch Unterbrechungen in den Wällen zu erkennen. Von den einstigen Torbauten hat sich nichts erhalten. Es dürfte sich dabei um Walleinbauten aus Holz gehandelt haben. Nach derzeitigem Kenntnisstand existierten zwei hintereinander liegende Tore. Das Erste im äußeren Wall, in Richtung Sattel (Norden), in welchem sich die „Wolfsgrube“ befindet. Nachdem man dieses Tor passiert hatte, gelangte man durch eine Gasse zum höher gelegenen, inneren Tor an der Nord-Westseite. Dieser Verlauf war klug gewählt, da sich der Gassenweg durch einen inneren, deutlich höher gelegenen Wall gut verteidigen ließ.

 

Die Errichtung solcher Verteidigungswerke war damals eine große Kraftanstrengung, welche eine stramm gegliederte Sozialstruktur der Gesellschaft erforderte. Die Versorgung mit Nahrung konnte nur aus den Tälern erfolgen. Dies bedeutet entweder, dass...

 

a) die Maimonthöhe dauerhaft von Handwerkern besiedelt war und von diesen Gebrauchs- und / oder Schmuckgegenstände hergestellt wurden, welche gewinnbringend verkauft oder gegen Nahrungsmittel getauscht werden konnten. Oder dass...

b) die Menschen dauerhaft in den umliegenden Tälern als Bauern lebten und sich nur bei Kriegsgefahr in den Schutz der Höhenbefestigung begaben (Fliehurg).

c) Ein reicher "Fürst" auf dem Maimont residierte, welcher über genügend Macht und Geld verfügte und sich Arbeitsleistung und Nahrung einkaufen konnte. Da die Gegend um den Maimont die Wiege der späteren Eisenbarone Gienanth (Schönau) und DeDietrich (Jägertal) ist, wäre dies im Zusammenhang mit der Förderung und Verarbeitung von Eisen denkbar.

 

Plan der Höhenbefestigung nach GPS / GLONAS-Aufnahme durch Verfasser 2022

Legende zum obigem Bild

Braun = Wälle und Mauern, zerfallen

Gelbe Linie = Vermutlich mit Palisade oder Flechtwerkzaun umfriedet 

Blau = Quelle (Q) mit Ableitung

Grün = Vermutlich besiedelter Bereich

Graue Linie = Zugang

Planierte Siedlungsfläche im westlichen Areal

Im Besonderen an der Nord- und Westseite und um den Gipfel herum lassen sich künstlich planierte Flächen erkennen. Diese trugen ehemals die hölzernen Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

 

Das lebensnotwendige Wasser wurde einer heute noch schüttenden Quelle am Nord-Westende der Befestigung entnommen. Die am Hang liegende Quelle wurde mit einer dreiseitigen Annexmauer aus trocken aufgesetzten Lesesteinen geschützt. Die Mauer ist heute auseinander gefallen und deren Steine teilweise den Abhang hinunter gerutscht. Ihr Verlauf lässt sich aber im Gelände als ein mit Steinen durchsetzter Wall gut erkennen. Aufgrund der heute umherliegenden Mauersteine läßt sich, bei der Annahme von 1 Meter Breite, eine ehemalige Mauerhöhe von mindestens 1,7 Meter errechnen. Durch einen zusätzlichen, oben aufgesetzten Balken- oder Palisadenaufbau von vca. 1,5 Meter Höhe hätte sich für Angreifer ein schwer zu überwindendes Hindernis ergeben.

 

Die eigentliche Quelle war sicherlich mit Holz eingefasst, eventuell sogar überdacht, um den Eintrag von Verschmutzungen zu vermeiden und das Wasserschöpfen zu erleichtern.

 

In der Bildmitte der Quelltrichter. Hinten, schräg nach oben verlaufend der Schuttwall der Annexmauer.
Die vermeintliche Opferschale

Einzelne, punktuelle Sondierungen innerhalb der befestigten Fläche wurden in den letzten 100 Jahren von verschiedenen Gelehrten immer mal wieder durchgeführt. Hieraus resultieren Vermutungen wie Keltischer Kultplatz, Heiligtum der Mediomatriker, dauerhaft bewohnte Höhensiedlung oder Fluchtburg. Für die Deklaration als religiöse Stätte wird auch immer wieder die steinerne "Opferschale" auf dem Maimontgipfel ins Feld geführt. Diese ist mit hoher Wahrscheinlichkeit natürlichen Ursprunges. Was natürlich eine Nutzung für religiöse Rituale nicht ausschließt.

Auch bei der zeitlichen Nutzung reichen die Vermutungen von der Eisenzeit (800 v.Chr.) bis ins frühe Mittelalter bzw. in die Nibelungenzeit.

 

Letzte Ausgrabungen fanden im Jahr 2017 unter Leitung des französischen Archäologen Dr. Rèmy Wassong statt. Sie erbrachten nur ein geringes Fundspektrum aus der Kelten- und Römerzeit sowie in den anstehenden Sandstein eingetiefte Löcher zur Verankerung von (Haus-) Balken.

Dies mag damit zusammenhängen, dass der Berggipfel zu Beginn des 2. Weltkriegs durch militärische Befestigungen der Franzosen stark verändert wurde. Weitere Zerstörungen erfolgten am 13.05.1940 durch Granatbeschuss während der verlustreichen deutsch-französischen Schlacht um den Maimont.

 

Durch den Forst wurden im Jahr 1995 die beiden Wälle an der Nordseite unter Zuhilfenahme eines Baggers illegal durchbrochen, um für Forstmaschinen eine Zufahrt zum Gipfel zu schaffen. An dieser Stelle untersuchten französische Wissenschaftler die Wallschnitte hinsichtlch Aufbau und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um eine dreiperiodige Anlage handelt (s. folgende Skizze).

 

Rekonstruktion der Befestigung

 

Im westlichen Befestigungsabschnitt finden sich mehrere zylindrische, vertikale  Löcher im Sandstein von ca. 10 bis 20 cm Durchmesser und Tiefe. Diese sind höchstwahrscheinlich von Menschenhand in die jeweiligen Steine eingehauen worden um als Bodenverankerung für aufrecht stehende Pfosten zu dienen. Z.B. als Stützen für Fachwerk Gebäude.

 

Löcher im Sandstein als Pfostenaufnahme ?

Im Frühjahr und Sommer, wenn durch die Winde das bodenbedeckende Herbstlaub verweht ist, findet man auf der Bodenoberfläche immer wieder Bruchstücke von alter Keramik, sowie Ton- und  Ziegelfragmente. Die Objekte sind wahrscheinlich durch die Anlage der neuzeitlichen Weltkriegsbefestigungen an die Erdoberfläche gekommen. Die Lesefunde sind ein weiterer Beleg für die frühe Besiedelung des Maimonts.

 

Tonziegelfragment, Lesefund

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich hier um eine etwa ab 500 v.Chr. errichtete, befestigte Höhensiedlung einer keltischen Ethnie handelt, welche in den folgenden 1500 Jahren- mindestens in Kriegszeiten- immer wieder aufgesucht wurde. Details können nur durch flächendeckende, moderne Untersuchungen ermittelt werden.

 

Quellen:

@ Dr. Rèmy Wassong u.a. - Der Maimont – alte und neue Forschungen auf einer grenzübergreifenden befestigten Höhensiedlung der Eisen- und Römerzeit

@ Karlwerner Kaiser - Der Maimont bei Schönau im Wasgau

@ Jochen Braselmann - Exkursion zum Maimont im Wasgenwald

@ Südwestdeutsche Zeitung vom 27.12.1995 - Baggerzahn reißt Ringwall auf

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© Hans-Günther und Jürgen Morr