www.Morr-Siedelsbrunn.de
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Zum Gedenken an Hans Morr

FLAK-Stellung Zingsheim

Lage

Auf der Kuppe des 519 Meter hohen Ottenberges nördlich von Zingsheim in der Eifel, direkt westlich neben der Autobahn A1.

 

GPS-Daten

N50° 81.515 E06° 39.967 (Zentrum)

Rot umrandet: Der Ottenberg nördlich von Zingsheim

Ungefähre Fläche des Areals

3,5 ha

 

Geschichtlicher Hintergrund

Im Rahmen des Baus der deutschen Westbefestigung (Westwall) entlang der deutschen Westgrenze wurde parallel zu dieser in den Jahren 1938 bis1939 mit einer Tiefe bis zu 50 km die Luftverteidigungszone West angelegt. Diese hatte die Aufgabe, feindliche Flugzeuge, welche die Reichsgrenze von Westen kommend in großer Höhe überflogen, zu bekämpfen. Die Verteidigungsanlagen bestanden aus großkalibrigen Luftabwehrgeschützen, welche als Batterie von 4-5 Geschützen zusammengefasst wurden. In der Regel lagen die Batterien auf strategisch günstigen Höhen. Die Flak-Stellungen sollten entlang der deutschen Westgrenze so angeordnet werden, dass sich zwischen ihnen kein toter Raum befindet. Dies konnte jedoch in Ermangelung von Geschützen nicht realisiert werden.

 

2,5 km südwestlich des Ottenberges liegt der 544 Meter hohe Willenberg. Darauf befand sich ebenfalls eine Flak-Stellung, allerdings hatten die Geschütze kleinere Kaliber. Sie waren für die Bekämpfung von Tieffliegern geeignet und sicherten auch die Geschützstellung auf dem Ottenberg vor tieffliegenden Jagdflugzeugen.

Einsatzablauf

Mittels Radar "Würzburg" konnten anfliegende Flugzeuge auf etwa 25 km Entfernung erfasst werden. Die Information der im Hinterland befindlichen Flugabwehr erfolgte per Telefon. Bei Tageslicht und klarer Sicht wurde dort der anfliegende Verband mittels 4 Meter Raumbildentfernungsmesser (Em 4 R 40) angepeilt und verfolgt. War weder das Orten durch Funkmessung noch durch freie Sicht möglich, wurde Sperrfeuer geschossen. Dies unterblieb allerdings ab Mitte 1944, da nicht mehr genug Munition zur Verfügung stand.

Wenn eine einwandfreie Ortung der Flugzeuge gegeben war, wurde eine einzelne Maschine anvisiert. Deren ermittelte Flugwerte (Höhe, Kurs, Geschwindigkeit) wurden dann automatisch in den Kommandorechner (Kommandogerät) eingegeben. Dieser errechnete für den gemessenen Punkt „M“ des anvisierten Flugzeuges gemäß der „Flakschießlehre“ mittels Integralgleichungen und zur Ballistik des Geschützes passenden Kurvenscheiben die Vorhaltewerte für den Zielpunkt „T“. Diese Werte wurden elektrisch mit einem Kabel auf einen Verteilerkasten in der Geschützstellung übertragen. Von dort aus wurden die Werte sternförmig an die Geschütze der Flak-Batterie an die jeweils vorhandenen Seitenrichtgeräte, Höhenrichtgeräte und Zünderstellgeräte übermittelt. Die Kanoniere kurbelten die Geschütze von Hand bis zur Überdeckung mit dem elektrischen Kommandogeber. Es wurden immer alle Geschütze synchron auf ein einzelnes eingemessenes Flugzeug gerichtet. Pro Geschütz wurden 14 Mann Bedienpersonal benötigt.

Entfernungsmesser 4m mit Kommandogerät 40

Bei Bewölkung oder bei Nacht wurden Höhe, Richtung und Geschwindigkeit von Funkmessgeräten Typ Würzburg erfasst und anfangs fernmündlich zum Kommandogerät, später durch das Umwertegerät „Malsi" automatisch und somit elektrisch an das  Kommandogerät übertragen. Die Ausrichtung der Geschütze erfolgte wie oben beschrieben.

 

Jede FLAK-Granate besaß eine mechanische Zeitschaltuhr im Zünder, welche deren Detonation nach Ablauf der zuvor eingestellten Zeit auslöste. Die Zeit konnte von 1,5 bis 29,5 Sekunden stufenlos eingestellt weren. Vor dem Einschieben in das Geschützrohr musste daher jede Granate am Zündstellgerät auf die Detonationszeit bzw. Höhe eingestellt werden. Für das Erreichen der Flughöhe der Bomberformation in 6000 Meter Höhe benötigte die Granate etwa 8 Sekunden. Das Flugzeug legte in dieser Zeit etwa 670 Meter Strecke zurück. Die Detonation erfolgte nach abgelaufener Laufzeit der Zeitschaltuhr oder durch Aufschlagzünder. Hierdurch wurde auch vermieden, dass das Geschoss beim Einschlag auf der Erde größeren Schaden anrichtet.

 

Bei der Detonation der Granate entstand eine große Druckwelle und deren Metallmantel wurde in ca. 1000 Splitter zerlegt. Ein Volltreffer oder die Explosion der FLAK-Granate in einem Abstand von weniger als 10 Meter um die Maschine führte in der Regel immer zu gravierender Beschädigung und zum Absturz. Detonierte die Granate in einem Abstand von mehr als 10 Meter um das Flugzeug, so konnte dieses durch die Granatsplitter beschädigt werden (FLAK 8.8 cm-41). Es bestand aber die Chance, noch den Heimatflughafen zu erreichen. Bei den größeren FLAK-Kalibern 10,5 cm und 12,8 cm wurden Flugzeuge noch bei größeren Detonationen schwer beschädigt.

 

Eine gut ausgebildete und eingespielte FLAK-Besatzung war in der Lage, bis zu 25 Stück 8.8 cm Granaten pro Minute zu verschiessen. Obwohl bei 5 Geschützen somit in Summe 125 Granaten pro Minute verschossen werden konnten, war die Trefferquote sehr gering, der Munitionsverbrauch entsprechend hoch. Für den Abschuss eines Bombers mit einem 8.8 cm Geschütz waren statistisch 6000 Schuss erforderlich. Bei größeren Kalibern reduzierte sich diese Zahl auf etwa die Hälfte. Hauptursache hierfür waren Windstärke- und Richtungsänderungen in der Höhe und schon geringe Kurs-und Höhenänderung der Flugzeuge.

 

Weil die Bedienmannschaften im Verlauf des Krieges an die Front abgezogen wurden, mussten ab Februar 1943 zunehmend Jugendliche der Geburtsjahrgänge 1926 bis 1928 als Flakhelfer (offiziell "Luftwaffenhelfer") deren Aufgaben übernehmen. Auch ging man in der letzten Kriegsfase in Ermangelung von Artilleriegeschützen dazu über, FLAK-Batterien aufzulösen und die Geschütze für den Bodenkampf zu verwenden. Diese Maßnahme förderte die weitere Zunahme der alliierten Luftüberlegenheit. 

Blick vom Ottenberg. Am Horizont das Ziel der alliierten Bomber, Industrie- und Ballungszentrum Köln

Vorhandene Anlagen

Die auf dem Ottenberg befindlichen Anlagen sind im Folgenden beschrieben bzw. abgebildet. Nach dem Krieg erfolgte die Sprengung durch die damalige Besatzungsmacht, so dass heute nur noch Ruinen erhalten sind. Wegen der starken Verbuschung des Geländes lohnt sich ein Besuch nur ausserhalb der Vegetationszeit.

Offene Geschützbettung Nr. 1
Offene Geschützbettung Nr. 1
Bunker Nr. 1
Bunker Nr. 2
Bunker Nr. 2
Bunker Nr. 2; von links: Scharte, Aussenöffnung für Belüftung, Rahmenrest der Bunkertür
Offene Geschützbettung Nr. 2
Kommandostand
Kommandostand
Laufgraben
Bunker Nr. 3
Schacht
Offene Geschützbettung Nr. 3
Bunker Nr. 4
Offene Geschützbettung Nr. 4
Offene Geschützbettung Nr. 5
Bunker Nr. 5
Detail Bunker Nr. 5
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© Hans-Günther und Jürgen Morr