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Zum Gedenken an Hans Morr

WKII Funkmeßstelle Ober-Mossau

Abschnitt in Arbeit...

 

Der mittlerweile verstorbene Historiker Peter Fink aus Biblis erwähnt in seiner sehr guten Dokumentation "Der Flugplatz der Luftwaffe zwischen Biblis und Einhausen" die Funkmeßstellen Siegfried 1 und Siegfried 2 auf der Mossauer Höhe zwischen Ober-Mossau und Steinbuch-Michelstadt.

 

In einer Abhandlung geht der Odenwälder Heimatforscher Dr. Peter W. Sattler detailiert auf eben diese Anlagen ein. Sein am 21.09.2015 in www.echo-online.de veröffentlicher Bericht wird im Folgenden wiedergegeben:

 

70 JAHRE NACH KRIEGSENDE Auch in Mossautal stirbt nach längst gefallener Entscheidung noch ein Mensch

OBER-MOSSAU - Obwohl der Zweite Weltkrieg entschieden war, ist beim Einmarsch der Amerikaner zwischen Ober-Mossau und Steinbuch noch ein deutscher Soldat gestorben. Die Schilderung seines Tods soll die Darstellungen über das Kriegsende ergänzen, die innerhalb einer ECHO-Serie erschienen sind.

Als am 28. März 1945 die Spitzen amerikanischer Panzerstaffeln vom Ortskern von Ober-Mossau die Höhe in Richtung Steinbuch hinauffuhren, wurden sie von der Mossauer und Steinbucher Höhe aus einem Bunker heraus beschossen. Der Bau war offenbar für die Fliegerabwehr errichtet worden und animierte an diesem Tag einen einzelnen Soldaten, der angeblich mit der Sprengung der Bunkeranlage beschäftigt war, zu einer letzten und fatalen Kriegshandlung. Denn die Panzerbesatzung erwiderte das Feuer sofort und traf den versprengten Angehörigen der deutschen Wehrmacht tödlich.

So lässt sich das Geschehen nach den Aussagen des Steinbuchers Wilhelm Kredel rekonstruieren. Er ist Jahrgang 1940 und war damit zum Zeitpunkt des Geschehens zwar erst fünf Jahre alt. Über Erzählungen älterer, heute nicht mehr lebenden Zeitzeugen, aber ist ihm das Geschehen auf der Mossauer Höhe plastisch überliefert. Sogar zweifelsfrei bekannt ist das Opfer: Oberfeldwebel Albrecht Fries, damals 34 Jahre alt, starb im Kugelhagel der amerikanischen Soldaten.

Bunker-Zerstörung als persönliche Aufgabe

Fries soll in den letzten Kriegstagen für Südhessen eine kleine Truppeneinheit der Wehrmacht befehligt haben. Er sah es als seine Aufgabe an, den Bunker vor dem Einmarsch der Amerikaner zu zerstören – ungeachtet dessen, dass all seine Untergebenen schon die Flucht ergriffen hatten. Als er darüber hinaus das Feuer eröffnete, löste dies ein Blutvergießen aus, das bei all seiner Sinnlosigkeit in den letzten Kriegstagen kein Einzelfall war. Wie berichtet, war es beispielsweise auch in Erbach und Würzberg noch zu Kampfhandlungen mit tödlichen Folgen gekommen. Die menschenverachtende Befehlsausgabe „Kampf bis zum letzten Mann oder bis zu letzten Kugel“ und die anerzogene Obrigkeitshörigkeit der Soldaten zeigten hier schreckliche Wirkung.

Zeitzeuge Paul Kaufmann erinnert sich, dass er als Bub gemeinsam mit Nachbarkindern den Bunkerraum nach dem Einmarsch der Amerikaner neugierig betrat. Dort habe noch einige Tage lang der tote Soldat gelegen. Er sei dann abgeholt und auf dem Steinbucher Friedhof neben dem Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs beerdigt worden, das später auch den Toten des Zweiten Weltkriegs gewidmet wurde.

Betonmauern waren ein Hindernis

Wilhelm Bär, Landwirt in Steinbuch, ist derzeitiger Pächter des landwirtschaftlich genutzten Areals in der Gemarkung Steinbuch, auf dem der Bunker zur Überwachung alliierter Flugzeuge stand. Er hat das Feld von der Familie Schäfer in Ober-Mossau gepachtet. Für die Feldarbeit war der Bunker ein permanentes Hindernis. Deshalb hat der Bauer bei Antritt des Pachtverhältnisses die starken Betonmauern mit dem Presslufthammer abgetragen. Von dem Bunker ist also heute nichts mehr zu sehen.

Bär aber erinnert sich an den Baukörper: Der etwa vier mal 1,50 Meter messende Unterstand befand sich unter der Erde und war über etwa fünf Treppenstufen zu erreichen. Verpächter Schäfer hatte ihn nach dem Krieg zeitweise als Unterstellschuppen für seine Kartoffelhexe genutzt.

Bis heute nicht zu klären war, zu welcher Gattung der Wehrmacht die Soldaten der Beobachtungsstation gehörten. Sehr wahrscheinlich waren es Angehörige der Luftwaffe. Das ist auch von dem Hilfspersonal eines ebenfalls in der Gegend aufgeschlagenen Barackenlagers anzunehmen; wahrscheinlich waren es Luftwaffen- oder Flakhelferinnen. Zur Klärung will der Heimatarchivar der Gemeinde Mossautal bei der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin und im Militärarchiv in Freiburg Auskunft einholen.

Gut überliefert sind hingegen Informationen über den Bunker. Auf der im Durchschnitt 400 Meter hohen Erhebung der Mossauer und Steinbucher Höhe war er in der Flur „Auf der Höhe“ in der Nähe des Kreuzungsbereichs zwischen Kreisstraße 50 und Hoher Straße aufgebaut. Die Wehrmacht hatte ihn zum Schutz für dort stationierte Beobachter der alliierten Flugbewegungen errichtet. Neben dem Bunker ragte auf einem hohen Eisengerüst eine bewegliche Antenne als Teil eines Überwachungsgeräts auf. Laut einer anderen Erzählung soll auf dem Bau selbst eine Funkantenne installiert gewesen sein.

Auch Baracken mit Unterkünften

Die Ober-Mossauer Zeitzeugen Hans Gebhard (Jahrgang 1935) und Paul Kaufmann (1932) etwa können sich noch gut an diese militärische Anlage im freien Feld erinnern – und daran, dass etwa 400 Meter unterhalb dieser Anlagen in einer leichten Bodensenke Baracken mit den Unterkunftsräumen für die Bunkerbesatzung aufgebaut waren. Dort gab es Schlafstätten und sogar eine von weiblichem Personal betreute Küche.

Von dem Barackenlager ist heute nichts mehr zu sehen außer einer betonierten Bodenplatte, auf der ein Hallengebäude errichtet wurde, das der Maurermeister Hans Gebhard als Abstellgebäude nutzt.

Ende des Berichts.

Schema einer Jägermeßstellung

Um welche Anlage handelte es sich ?

Zweifelsfrei hat es sich bei der beschriebenen Anlage um eine Funkmeßstelle (Radaranlage). In der gesichteten Literatur findet sich allerdings keine Hinweise zu der Anlage auf der Mossauer Höhe.

 

Die nächste, bekannte Funkmeßstelle befand sich nördlich von Schlossau im Odenwald. Ihr Tarnname war Eber. Die Station war mit 2 Stück Würzburg Riese Radar (Antennendurchmesser 7,5 Meter !) und 1 Stück Freya Radar ausgestattet und hatte die Aufgabe einfliegende, feindliche Bomberverbände zu orten und deren Flugrichtung zu verfolgen. Durch flächig im Reich verteilte Funkmeßstellen konnten die Bomberverbände lückenlos verfolgt verfolgt werden. Im weiteren Verlauf ließen sich dann die geplanten Abwurfziele der Bomber ermitteln. Flak und Abwehrjäger im angenommenen Zielgebiet wurden danach in Alarmbereitschaft versetzt. In den im Anflugkorridor liegenden Städten oder Industrieanlagen wurde Luftalarm ausgelöst.

 

Die Anlage bei Mossau war vermutlich Teil einer Jägermeßstellung. Diese Anlagen hatten die Aufgabe, deutsche Abfangjäger an feindliche Flugzeugverbände heranzuführen. Diese Annahme passt zu dem in ca. 31 km Luftlinie westlich liegenden Einsatzhafen erster Ordnung in Biblis, welcher unter anderem auch mit Peilsender und Nachtflugeinrichtung ausgestattet war.

Lage der Baracke und der Funkmeßstelle gem. der gemachten Funde

 

Funde

Beim Absuchen der Fläche mit einem Metallsuchgerät konnten die nachfolgend abgebildeten Gegenstände geborgen werden. Das interessanteste Stück ist zweifelsohne die elektrische Hörermuschel eines Wehrmachtskopfhörers. Alle hier gezeigten Teile wurden auf einer Fläche von ca. 10 x 10 Meter gefunden und bestätigen die oben genannte Präsens einer Funkmesseinrichtung.

Fragment eines Wehrmachts-Kopfhörers

Obiges Teil an einem im Original erhaltenen Wehrmachts-Kopfhörer

 

Alle gefundenen Teile zeigen deutliche Zerstörungsspuren. Hieraus kann wiederum geschlossen werden dass die Anlage vorsätzlich-wahrscheinlich durch Sprengung- zerstört wurde, was im obigen Bericht von Dr. Sattler Erwähnung findet.  Von dem ebenfalls im Bericht erwähnten Bunker waren auch keine Betonbrocken mehr zu finden. Der ehemals ca. 20 cm über die Erdoberfläche ragende Bunker wurde vom Landwirt Bär jedenfals so gründlich beseitigt, dass von ihm noch nicht einmal kleine Betonbrocken zu finden sind.

Batterie-oder Starkstrom-Verbindungstück
Patronenhülse 8x57, Spitzgeschoß, Herstelljahr 1939, Hersteller Märkisches Walzwerk Strausberg Bez. Potsdam

Die Fundamentplatte der ehemaligen Unterkunftsbaracke für das Funkmeßstellenpersonal liegt in Richtung Ober-Mossau 550 Meter Luftlinie entfernt von der ehemaligen Funkmeßstelle rechts neben der markanten Haarnadelkurve vor dem Ort. Sie ist mit einem neuzeitlichen Holzschuppen überbaut.

Unter diesem Schuppen befinden sich die Fundamente der nach dem Krieg abgetragenen Baracke
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© Hans-Günther und Jürgen Morr