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Zum Gedenken an Hans Morr

Ehemalige Nike Raketenbasis bei Blankenheim-Reetz

Lage

3,5 km östlich von Blankenheim und 1,8 km nördlich von Reetz / Eifel befindet sich auf dem 538 Meter hohen Schäßberg eine ehemalige Lager- und Abschußstätte für amerikanische Nike Boden-Luft Raketen.

 

Größte Länge x Größte Breite des Areals = 550 Meter x 250 Meter

 

Fläche: 8,5 ha

 

Koordinaten: N50 26.487 E6 41.855

Im gelben Kreis die ehem. Raketenbasis

Hintergrund

In Zeiten des Kalten Krieges und dem gegenseitigen Wettrüsten rechnete West wie Ost mit dem feindlichen Einmarsch des Anderen. Um gegnerische Flugzeuge schon in großer Höhe bekämpfen zu können entwickelte schon NAZI-Deutschland flüssigkeitsgetriebene Boden- Luft Raketen.

In unmittelbarer Nähe der späteren NATO-Anlage bei Reetz wurden schon 1944 von mehreren Start- Schleudern aus V1 Raketen in Richtung Brüssel und Antwerpen abgeschossen. 

 

In den 1960er Jahren errichteten dann die Besatzer Deutschlands flächendeckend von der Ostsee bis zu den Alpen Raketenbasen um feindliche Flugzeuge des Warschauer Pakts abzuwehren.

Nike Rakete

Die Flugabwehrrakete vom Type „Nike“ war eine gelenkte Flakrakete, die aus einer fast senkrechten Lage von einem Abschußgestell gestartet wurde. Die „Nike“-Batterien waren sowohl mit der Flugabwehrrakete „Ajax“ als auch mit der „Hercules“ ausgestattet, die wahlweise mit einem konventionellen oder mit einem nuklearen Gefechtskopf bestückt werden konnte.

Nike Ajax Rakete auf Startlafette

Raketenbasis Reetz

Die Anlage bei Reetz wurde 1963 durch die Amerikaner errichtet und in den Jahren bis zur Aufgabe im Jahre 1989 von den Belgischen Besatzern, der 51. belgischen Raketenbatterie, unter amerikanischer Aufsicht betrieben. In Spitzenzeiten taten dort in Schichten rund um die Uhr insgesamt 400 Mann ihren Dienst. Die überwiegende Anzahl dürfte mit Wach- und Kontrollarbeiten beschäftigt gewesen sein.

Blick über das Areal vom Raketenlager zur Zentrale

Leitstelle

Das Gehirn der Basis lag knapp zwei Kilometer entfernt auf dem höchsten Punkt der Gemarkung Mülheim mit 569 m ü.M., auf dem „Kalkbüsch“ am Finkenberg. Die dort installierten Radarantennen mußten Höhe, Geschwindigkeit und den Kurs eines anfliegenden Flugzeuges erkennen und dieses auch als „Feindflugzeug“ identifizieren. Gleichzeitig wurde die eigene Flugbahn der zu startenden „Nike-Raketen“ errechnet und in Korrelation zum feindlichen Objekt gebracht. Ein Rechenaufwand, der nur mit besonders leistungsfähigen Computern bewältigt werden kann. Die Kommandozentrale mit der dazugehörigen High-Tech war in atombombensicheren Bunkern untergebracht.

Luftbild der Nike Raketenstellung Reetz

Legende zum Bild oben

1) Zugang zum Areal

2) Gepanzerte Zentrale

3) Kantine / Aufentaltsraum

4) Magazin / Werkstatt

5) Fahrzeug-Werkstatt

6) Rakentenlager

6a) Kontrollbunker Anlage 6

6b) Raketen-Verladeplatz

7) Sprengkopflager und Zusammenbauhalle 7

7a) Kontrollbunker Anlage 7

7b) Raketen Startplatz Anlage 7

8) Sprengkopflager und Zusammenbauhalle 8

8a) Kontrollbunker Anlage 8

8) Raketen Startplatz Anlage 8

Gelbe Linien = Absperrzaun mit Stacheldrahtkrone

Doppelte gelbe Linie = Hochsicherheitsbereich

Magentafarbene Rechtecke = Gepanzerte Türme

Zyanfarbene Sterne = Überwachungsbunker

Prinzipieller Aufbau der Anlage

Das Areal bestand aus zwei Bereichen. 

Dem äusseren Bereich und dem inneren Hochsicherheitsbereich.

Geländeüberwachung vom Turm aus
Turm an Zentralgebäude

Äusserer Bereich

Der äußere Bereich war mittels eines Zaunes mit Stacheldrahtkrone gesichert. Der Zugang zur Anlage erfolgte durch ein Tor (1) an der Nordostseite. Neben dem Tor befand sich ein Schutzbau für den diensthabenden Wachmann. Im äusseren Bereich befanden sich Gebäude wie Werkstätten, Kantine, Magazine usw. In dessem hinteren Bereich lagerten die Raketenkörper in einer großen Halle (6).

 

Bei Dunkelheit wurde die gesamte Anlage mit in engem Abstand installierten Leuchtstofflampen erhellt.

Die lückenlosen Überwachung des Geländes erfolgte von drei Türme (magentafarbene Rechtecke) aus, welche mit Suchscheinwerfern ausgestattet waren. 

Gepanzerte Zentrale mit Turm
Kleine Fenster mit Panzerglasscheiben, darunter Gewehrscharten

Innerer Bereich

Hierbei handelte es sich um den Hochsicherheitsbereich. In ihm befanden sich die Sprengköpfe der Raketen. Dieses Areal war separat mittels eines Zauns mit Stacheldrahtkrone angesichert. Der Zugang zu diesem Bereich war wiederum nur bestimmten Personen aus dem äussern Bereich gestattet. Der Zugang befand sich links vom Zentralgebäude und war durch eine Personenschleuse gesichert.

Das Zentralgebäude war festungsmäßig ausgebaut und zusätzlich mit Stacheldraht gesichert. Die Aussentüren bestanden aus Panzerstahl, die Fenster waren klein gehalten und mit beschußsicherem Panzerglas verglast. Unter den Fenstern befand sich jeweils eine kleine, stählerne und nur von innen zu öffnende Gewehrscharte. Aus dieser konnte bei Bedarf heraus geschossen werden.

Der Eingang zum Hochsicherheitsbereich
Blick vom Turm der Zentrale auf die Zufahrtsstrasse

An das Zentralgebäude angebaut war der alles überragende Überwachungsturm, von welchem das gesamte Areal eingesehen werden konnte. Die Fenster des Turms waren ebenfalls mit Panzerglasscheiben ausgerüstet. Unterhalb der Verglasung waren stählerne Klappen eingelassen. Diese konnten von innen geöffnet werden die Turmbesatzung konnte hieraus Eindringlinge beschiessen.

Doppelter Zaun um den Hochsicherheitsbereich
Von hier aus konnte bei Bedarf scharf geschossen werden

Auf dem Areal verteilt befanden sich mehrere offene Bunker, aus denen heraus zusätzlicher bewaffneter Objektschutz möglich war.

Zugangskontrolle für den Hochsicherheitsbereich
Zugang nur mit besonderer Berechtigung

Raketenlagerhalle und Abschussplätze

Im inneren Bereich lagen sich spiegelbildlich durch eine Ringstrasse getrennt zwei Raketenhallen gegenüber (7 & 8). In den Hallen wurden die Raketen mit den jeweiligen Sprengköpfen bestückt und in die Startgerüste montiert. Vor den Raketenhallen lagen die eigentlichen Startplätze (7b & 8b). Dorthin wurden die flugfertigen Raketen in ihren Startlafetten transportiert. Die Lager und Abschussplätze waren mit ca. drei Meter hohen Erdwällen umgeben, um im Falle eines Brandes oder einer Explosion den umgebenden Bereich abzuschotten.Ein weiterer wilkommener Nebeneffekt der Erdwälle war ein gewisser Sichtschutz.

 

Kontrollbunker

Seitlich der Startplätze lag jeweils ein übererdeter Kontrollbunker (7a & 8a). Von diesen aus wurde die Raketen gestartet.

Im Vordergrund der Raketenstartplatz, dahinter die Lagerhalle
Bereitschafts- bzw. Lagerhalle für die Raketen
Werkstattgebäude
Kantine
Auch die Kantine wurde durch Randalierer sinnlos zerstört
Werkstatt- und Magazingebäude
Angreifer konnten aus diesen Bunkern heraus bekämpft werden
Vor jedem größeren Bau befindet sich ein (Löschwasser- ?) Becken
Blick über das Areal
In der Bildmitte der doppelte Zaun, rechts daneben der Erdwall

Heutiger Zustand

Alle Gebäude sind komplett leer geräumt und durch Randalierer sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass die Anlage mittlerweile als ruinös bezeichnet werden kann.

Das Gelände ist nicht zugänglich. Es ist an einen Landwirt verpachtet, welcher die Grünflächen beweiden lässt und die leeren Hallen als Lager für Maschinen, Heu und Stroh nutzt.

 

Auf dem Areal wurde ein Trailer gedreht, welcher in Youtube zu sehen ist:

http://www.youtube.com/watch?v=nFpK8z76xls

Den Start einer Nike Rakete kann man sich hier ansehen:

http://cms04.website-start.de/app/317765011/923630466/#hm:cc-sa-window-close

Quelle:

@ Wikipedia

@ Eginhard Kranz "Nike-Raketenstellung der NATO bis 1988/89 bei Blankenheim"

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© Hans-Günther und Jürgen Morr