www.Morr-Siedelsbrunn.de
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Zum Gedenken an Hans Morr

Ehemaliges US-Munitionslager Viernheim

US-Benennung

Reserve Ammunition Storage Point (RASP) 591

 

Lage

Nord-Süd-Lage zwischen Hüttenfeld / Seefeld und Viernheim

Ost-West-Lage zwischen der A67 und der B3111

 

Umfang des Areals

Ca. 8200 Meter

 

Fläche

Ca. 318 Hektar

 

Koordinaten: N49° 34.143' E8° 34.491' (Zentrum)

 

Gelb gefüllt die Fläche des ehem. Munitionslagers. Am unteren Bildrand Viernheim

 

Hintergrund

Nach ihrem Sieg über Deutschland am 08. Mai 1945 begannen die Besatzer großflächige Areale zu requirieren um für ihre Truppen Kasernen, Lager und Übungsplätze in Besitz zu nehmen. Gefährliche Stoffe, wie alle Sorten von Munition, wurden aus Sicherheitsgründen in größeren Abständen von ihren Kasernen in gesicherten und bewachten Arealen gelagert. Für die in und um Mannheim stationierten US-Soldaten wurde u.a. das schon von der Wehrmacht genutzte Waldareal nördlich von Viernheim als Lagerstätte auserkoren und in Folge ausgebaut.

 

Nach dem Niedergang des Ostblocks und der deutschen Wiedervereinigung erlahmte das alliierte Interesse an den Anlagen und diese wurden ab 1990 größtenteils aufggeben. Das Lager Nr. 951 wurde geleert, teilweise Rückgebaut und 1992 an die Bundesrepublik zurück übereignet.

 

Absicherung der Anlage

Das gesamte Areal war zum Ende der Nutzung mit einem umlaufenden, 2,5 Meter hohen Maschendrahtzaun gesichert. In Abständen von 3 Metern war der Draht an Betonpfosten befestigt, welche einen Querschnitt von 15 x 12 cm hatten. Die Betonpfosten waren am oberen Ende zur Außenseite der Anlage um 90 Grad abgewinkelt, und dort mit mehreren Zügen parallel verlaufendem Stacheldraht bespannt um ein Übersteigen des Zauns zu verhindern. In Abständen von ca. 50 Metern wurden seitliche Stabilisierungsstreben an den jeweiligen Pfosten angebaut.

 

Pfostenreihe mit an der Innenseite parallel entlang führendem Patroullienweg
Seitliche Pfostenverstärkungen

An der Außenseite, vor der Zaunanlage, wurde eine Streifen von 3 bis 4 Meter Breite regelmäßig gemäht um diesen vo  Bewuchs frei zu halten. Parallel zur Zaun-Innenseite lief eine ca. 3 Meter breite Fahrspur, welche zwecks Kontrolle in regelmäßigen Intervallen abgefahren wurde. Die Fahrspur war nicht durchgehend geteert.

 

Defekte Betonpfosten, welche beispielsweise durch einen darauf fallenden Baum zerstört wurden, hat man in der Spätzeit der Anlage durch NATO-Blechpfosten ersetzt. Defekter Maschendrahtzaun wurde ausgeschnitten und ein neues Zaunstück eingeflochten. Die neuen Zaunsegmente sind heute noch an der helleren Farbe erkennbar.

 

Neue NATO-Pfosten
Herausgezogene Betonpfosten

 

Die Zäune wurden nach Auflassung der Anlage überwiegend entfernt. Lediglich an der Ostseite, unmittelbaran die L3111 angrenzend, blieben sie stehen um Wildunfälle mit Kraftfahrzeugen zu verhindern.

An der Nordseite des Areals hat man damit begonnen die Zaunpfosten zu beseitigen, wodurch dort ca. die Hälfte schon fehlt.

 

Von den sicherlich vorhandenen Wachtürmen aus Profileisen haben sich keine Reste erhalten.

 

Zugang

Der Hauptzugang zum Gelände befand sich an der L 3111. Dort wurde auch der Strom für die Anlage eingespeist. Das Tor und das Trafohäuschen sind noch vorhanden.

 

Ehem. Hauptzugang von der Innenseite aufgenommen. Rechts das Anschlußebäude für Strom und Kommunikation. Links sind noch 2 Pfosten der Vereinzelungsanlage zu sehen. Rechts ein Betonklotz zur Fahrzeuglenkung

 

Weitere Ein- / Ausfahrten 2. Ordnung existierten an der Nord und Westseite. Die Tore an der Westseite blieben erhalten, um damit die Zufahrt für Unberechtigte von der unmittelbar davor verlaufenden L3111 zu unterbinden.

 

Tor 2. Ordnung an der Westseite. Im Hintergrund die L3111

 

Wegesystem

Das Innere des Lagers wurde überwiegend von in Nord-Süd bzw. Ost-West Richtung verlaufenden und sich rechtwinkelig kreuzenden Wegen erschlossen. Diese sind ca. 3 Meter breit und bestanden wohl schon vor Errichtung des Lagers. Im Zentrum wurden sie überwiegend getreert. Um die Zaunanlage herum und an Stellen an welcher sich keine Bebauung befand, sind die Wege geschottert. Sie werden in regelmäßigen Abständen von Gruben begleitet, welche die Aufgabe haben die Oberflächenwasser aufzunehmen und im Erdreich versickern zu lassen.

 

Bebauung

Die Fläche des Areals wurde mit insgesamt 75 Munitionslagerhäuser (MLH) bebaut. Diese stehem immer rechtwinklig und mit dem Tor an der Schmalseite zum davor vorbeiführenden Weg. Wobei einige weiter von diesem abgesetzt sind. Der Abstand zwischen den Lagerhäuser beträgt in jedem Fall mindestens 50 Meter, was wohl als Mindest-Sicherheitsabstand für etwaige Unfalle angesehen wurde.

 

Die unbebauten Flächen lassen die Vermutung zu, dass hier ursprünglich noch mehr MLH geplant waren. 

 

Zwischen den Munitionshäusern gab es diverse Baracken aus Blech und Holz, von denen sich heute aber nur noch Fundamentreste finden.

 

Für Umladearbeiten bzw. zum Zwischenlagern und ev. auch als Landeplatz für Hubschrauber existierte mindestens ein offener Bereich im nördlichen Areal.

 

Freifläche als Zwischenlager oder Landeplatz
Südwestecke nahe der A67
Lage der Munitionshäuser an den Wegen (Quelle TopoMap)

 

Munitionslagerhäuser (MLH)

Wie den Name schon sagt dienten die MLH zur Einlagerung von Munition. Um welche es sich genau handelte kann hier nicht gesagt werden, da die Amis dies in der Regel selbst den deutschen Behörden nicht mitteilten. Kleinkalibrige Gewehrmunition dürfte aber genauso eingelagert gewesen sein wie Handgranaten und Artilleriemunition jeglicher Art.

Giftgas und Atomwaffen sind wohl auszuschließen, denn diese wurden in stärker gesicherten Arealen gelagert (Clausen / Fischbach).

 

Die Lagerhäuser bestehen aus einem rechteckigen, betonierten Raum mit 0,20 Meter Wandstärke.

In der Variante "Grüne Tür" betragen die Innenabmessungen 18,20 m (L) x 12,15 m (B)  x 3,30 m (H) = 730 Kubikmeter bzw. 221 Quadratmeter Bodenfläche.

 

Durch vierstellige Nummern, welche auf die Außenwand aufgesprüht wurden, konnten die Gebäude zweifelsfrei adressiert werden.

 

Die Außenseiten wurden schräg angeerdet und auch das Dach mit Erde bedeckt. Die Erde sollte im Fall einer Explosion die Druckwelle dämpfen und das Wegschleudern von Munitionsteilen auf einen möglichst kleinen Radius beschränken. Außerdem sollte die Übererdung Luftaufklärung erschweren.

 

Die geringe Wandstärke der Gebäude konnte deren Inhalt nur vor direktem Zugriff schützen. Gegen  Artillerietreffer oder Bombardierung boten sie keinen Schutz.

 

Zugänglich sind die Bunker durch verschiebbare Stahltore. Die Türöffnung beträgt 2,40 Meter Breite und 2,80 Meter Höhe.

 

"Weises Tor"
"Grünes Tor"

 

Bei den MLH auf dem Kampus gibt es zwei Varianten. Eine Ausführung mit sich z-förmig öffnendem weißem einwandigem Blechtor und die Variante mit doppelwandigem, grünem Schiebetor. Bei der erstgenannten Variante dürfte es sich um die älter Version handeln.

 

Die MLH mit weißem Tor haben im Inneren keine Einbauten. Bei der Variante mit grünem Schiebetor wird das Dach innen von vier rechteckigen Säulen aus Beton gestützt.

 

Übererdung und Dachkegel über der Lüftungsöffnung
Innenansicht mit Streben vom Tor aus
Ausgeräumte Elektroschränke
Gekappte Elektrokabel im E-Schrank

 

Außen über dem Tor und im Inneren unter der Decke ist elektrische Beleuchtung nachweisbar. Ausgeräumte Elektroschränke und gekapte E-Kabelbündel mit mehreren dutzend Litzen lassen auf sicherheitstechnische Überwachungseinrichtungen schließen.

 

Betlüftet wurden die MLH durch zwei in der Decke befindliche runde Öffnungen im hinteren Raumbereich. Diese enden auf der Außenseite in einem kegelförmigen Blechhütchen, welches Regenwasser abweist. Ein engmaschiges Metallgitter schützte vor dem Eindringen von Tieren oder Einwurf von Gegenständen. Zusätzlich gab es eine Verschlußklappe, welche z.B. bei einem Waldbrand die Belüftungsöffnung komplett verschloß. In wie weit dies thermisch oder fernelektrisch ausgelöst wurde kann hier nicht gesagt werden.

 

In die neueren (grünen) Bunkertüren wurde eine gewichtsbelastete Pendelklappe eingebaut, welche sich bei Überdruck im Lagerhausinneren anhob und den Druck dadurch ins Freie entweichen ließ. Ein eingesetzter Gitterrost verhinderte das Eindringen von größeren Tieren.

 

Auf den weißen Toren ist die (Mannheimer-) Telefonnummer des 191. Ordonance Battalions aufgesprüht, welche im Notfall anzurufen war. Diese Einheit war von 1984 bis 1990 in Mannheim stationiert und muß demnach die Notfallbetreuung der Viernheimer Anlage in der Zeit übernommen haben.

 

Die zugänglichen MLH sind innen auch heute noch absolut trocken, was auf eine sehr gewissenhafte Bauausführung hin deutet.

 

Beschriftung mit Notfallnummer
Lüftungsöffnung in der Decke von innen aus gesehen
Anlagennummer und Schließgehäuse (unten links) an grünem Tor

Baracken

Das Gelände war zwischen den Munitionshäusern mit Blech- und Holzbaracken bebaut, welche dem Aufenthalt der Bewacher und dem Betrieb der Anlage dienten. Sämtliche Baracken wurden zurückgebaut. Heute findet man nur noch vereinzelt deren Fundamente oder kann den abgegangenen Standort durch herumliegendes Baumaterial erkennen.

 

Fest kaserniert war auf dem Gelände keine Einheit, denn die personelle Versorgung erfolgte durch die Mannheimer US-Garnison. In den Jahren vor der Aufgabe des Areals leisteten auch deutsche Zivilangestellte Wachdienst auf dem Gelände. 

 

Barackenfundament
Barackenfundament
Verladerampe aus Beton-Zaunpfählen
Baumaterial, Abbruchreste

 

Feldstellungen

Im nördlichen Lagerbereich, und auch außerhalb von diesem sind mehrere Feldstellungen / Erdstellungen zu sehen. Diese Schanzarbeiten wurden wahrscheinlich im Rahmen von Übungen der US-Truppen durchgeführt und sind nicht aus Zeiten der Wehrmacht.

 

Auf den Bildern sind die Schanzarbeiten...
...weniger gut zu erkennen als im Gelände

 

Aktuelle Nutzung

Das Areal ist öffentlich zugänglich, für den Kraftfahrzeugverkehr aber gesperrt. Ein Teil der Munitionslagerhäuser ist vermietet. Andere sind verschlossen und dienen Fledermäusen als Quartier. Eine geringe Anzahl ist offen und kann betreten werden.

 

 

Quellen

@ Zeitzeugenbefragung

@ https://www.usarmygermany.com/Sont.htm

@ https://www.globalsecurity.org

 

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© Hans-Günther und Jürgen Morr