www.Morr-Siedelsbrunn.de
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Zum Gedenken an Hans Morr

Wintersport in Siedelsbrunn (...in Arbeit)

Nur noch alte Einwohner erinnern sich an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als Siedelsbrunn eine Hochburg des Wintersports im südlichen Odenwald war. In der Zeit war Schnee in dem auf über 500 Höhenmeter liegenden Ort im Winterhalbjahr reichlich vorhanden. Viele Gäste nutzten für die  Anreise die Überwaldbahn bis zur Haltestelle Kreidach. Von dort aus ging es die 2 Kilometer nach Siedelsbrunn zu Fuß. Manche Wirte aus dem Ort richteten auch einen Kutschentransfer ein, was den Aufstieg ins 130 Meter höher liegende Siedelsbrunn insbesondere bei großer Schneehöhe erheblich erleichterte. 

Eine weitere Möglichkeit um von Weinheim nach Siedelsbrunn zu gelangen bot der Postbus. Ab ca. 1960 reiste man zunehmend auch mit eigenen PKW an.

In Siedelsbrunn lud damals eine reichlich vorhandene Gastronomie die Gäste nach dem Wintersport zu Kaffee und Kuchen oder einer warmen Mahlzeit ein. Erstes Haus am Platze ist das Gasthaus Morgenstern zu nennen, welches auch heute noch existiert. Als weitere Hotels, Gasthäuser und Cafes sind zu nennen: Gasthaus Krone, Gasthaus Deutsche Haus, Hotel Maierhof, Hotel Tannenblick, Gasthaus Skihof, Cafe Jäger. Einige der genannten Häuser boten auch Übernachtungsmöglichkeiten an, welche durch Privatzimmer erweitert wurden.

Für die Durchführung des Wintersports befanden sich in Siedelsbrunn mehrere Einrichtungen. 

Diese waren:

  1. Die Hardbergschanze (violette Linie)
  2. Der kurze Abfahrtshang (blaue Linie)
  3. Der lange Abfahrtshang (rote Linie)
  4. Die Bobbahn (gelbe Linie)

Die Anlagen bestanden nicht alle zeitgleich.

1. Die Hardbergschanze

1946 wurde eine Gruppe Heimatvertriebener aus Mies in Westböhmen (heute Stribro Tschechei) dem Ort Siedelsbrunn zugeteilt. Unter ihnen befand sich auch der damals 10-jährige Anton Wenisch. Anton (Toni) war schon in seiner Heimat begeisterter Wintersportler, was er auch in seiner neuen Heimat beibehielt. In Verbindung mit dem damaligen Ortslehrer Georg Jungmann und dem Sportverein TV 02 Siedelsbrunn entstand mit der Zeit der Wunsch, im Ort eine eigene Ski-Sprungschanze zu bauen.

Durch gute Kontakte war es dem Lehrer Jungmann möglich, das für den Schanzenbau und weitere Wintersportanlagen erforderliche Kapital von 15.000,- DM von der Lottostiftung zu erhalten.

 

Im Jahr 1953 wurde dann an einem geeigneten Hang etwa 230 Meter nord-westlich des Hotels Maienhof (heute Vedischer Kulturverein e.V.) die Schanzenanlage errichtet. Die Erd- und Fundamentarbeiten wurden von einer Baufirma ausgeführt. Die Erde für den oben erhöhten Aufsprung wurde dem darunter liegenden auszukoffernden Schanzenauslauf entnommem und mittels Loren und Seilzug nach oben befördert.

Die Holzkonstruktion der eigentlichen Schanze wurde von der im Nachbarort Absteinach ansässigen Zimmerei Plaha errichtet. Die Familie Plaha gehörte auch zu den böhmischen Heimatvertriebenen.

 

Das Bauwerk hatte in etwa folgende Abmessungen (Angaben werden noch überprüft):

  • Größte Höhe der Holzkonstruktion über Boden 12 Meter
  • Größte Höhe üNN 498 Meter
  • Kleinste Höhe üNN 480 Meter
  • Höhe Absprungtisch über Boden 2,5 Meter
  • Gesamtlänge der Anlage 140 Meter
  • Rein rechnerisch betrug der Gesamt-Höhenunterschied der Skischanze somit 30 Meter
Holzkonstruktion der Hardbergschanze

Nach Aussage von Anton Wenisch mußte selbst in schneereichen Wintern der Schnee oft mit Körben auf die Schanze getragen, dort verteilt und angestampft werden, da der Wind den Pulverschnee oft vor der Schanzennutzung herunter blies.

Zeitweise standen zur Kunstschneerzeugung auch Schneekanonen zur Verfügung. Die zugehörige Kompressorenanlage befand sich ca. 120 Meter südöstlich der Schanze an der Stelle des heutigen Hardberg-Parkplatzes.

 

Genutzt wurde die Sprungschanze laut Aussage von Wenisch von Skisportlern aus dem näheren Umland.

 

Der Schanzenrekord lag bei 35 Metern, Rekordhalter war Anton Wenisch.

Hardbergschanze mit Aufsprung und Auslauf

Ein langes Leben war der reinen Holzkonstruktion nicht beschert. Ab 1965 war der Zustand der Hölzer schon so desolat, dass eine Nutzung der Anlage nicht mehr möglich war. Geld für eine umfängliche Sanierung konnte nicht mehr in erforderlicher Höhe beschafft werden. Erschwerend kam hinzu, dass auch überregional das Interesse am Skisprung erlahmte.

Der Holzaufbau fiel in den Folgejahren altersbedingt in sich zusammen. Die Reste wurden spätestens Anfang der 70-er Jahre beseitigt.

Schanzenrekordinhaber Anton Wenisch auf der Hardbergschanze

Heute ist der ehemalige Schanzenstandort gänzlich mit Bäumen bewachsen.Von der Holzkkonstruktion ist nichts mehr zu sehen. Lediglich einige Fundamentsockel stehen noch am Originalplatz. Andere wurden entfernt um die Fläche landwirtschaftlich besser nutzen zu können.

 

Der am Hang liegende, modellierte Aufsprunghang ist wiederum gut zu erkennen. Ebenso der darunter anschließende Auslauf. Das Ende des Auslaufs ist durch eine nachträglich dort errichtete Landwirtschaft in seiner ursprünglichen Form nicht mehr erhalten.

Anton Wenisch besuchte im Jahr 2021 85-jährig nach Jahrzehnten nochmals den ehemaligen Schanzenstandort.

Anton Wenisch am ehem. Schanzenstandort. Unter dem Pfeil ein Beton-Fundamentsockel der Schanze
Pfeile = Erhaltene Fundamente der Holzschanze
Der aufgeschüttete Aufsprung
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© Hans-Günther und Jürgen Morr